Wo drückt der Schuh bei Kindergarten und Schule? – #sagsLandau

Dienstag, 16. Juni 2015, Wasserpark in Floridsdorf…

Der Park ist zu aller erst auffallend schön, zugleich das Wetter leider viel schlechter als in der Vorwoche – werden wieder so viele kommen, wie bei den Parks zuvor, was wird die Menschen bewegen….?

JA, wieder sind es recht viele geworden, wieder gab es tolle, bewegende Gespräche, wieder ein gutes, „richtiges“ Gefühl, die Chance zu haben, direkt den Menschen aufmerksam zuhören zu können.

 

Die Kurzprotokolle:

  • Eine Familie mit Kind übersiedelt vom 20. in den 22. Bezirk. Das Kind besucht im 20. bereits einen Kindergarten. Es gibt erst ab September einen Platz („wahrscheinlich“!) im Kindergarten im 22., ein Einstieg davor ist leider nicht möglich (ein Thema, das mir bereits öfter begegnete).  Das heißt Pendeln für Mutter und/oder Vater. Jeden Morgen in den 20. Bezirk.
  • Eine türkische Oma redet mich an, ihre beiden Enkeln sind gerade für 2 Monate auf Besuch, sie leben in Las Vegas bei ihrer Tochter und dem (amerikanischen) Schwiegersohn. Beide Enkelkinder (Dinah, Mädchen mit 6 Jahren und Adam, Bub mit 4) sprechen nur Englisch. Während das Mädchen sehr gerne in die Schule ginge, würde der Bub den Kindergarten völlig verweigern, erzählt die Oma. Ob ich wohl helfen könne? (quasi als „Experte für eh alles?“;)).

Adam schimpft und schlägt gleichsam alle(s) so lange, bis die Pädagogin die Mutter anruft, damit diese ihn abhole. Dinah wirft den entscheidenden Satz ein: „He misses Ma“. Adam, freundlich lachender Lausbub, widerspricht nicht einmal lange. Sein Lächeln wird weniger breit. „Yes, I do“. Nach einigen Minuten gutem Gespräch zu dritt verspricht er mir in die Hand, es – zumindet für zuerst kürzere Zeit, dann länger – zu probieren. Er verstehe, dass das schwierig für seine Mutter sei, die ihn ja auch vermisse, aber eben auch Sachen zu erledigen hätte, wo sie ihn nicht betreuen könne.

Wirkt alles irgendwie fast zu leicht, deswegen vermute ich, das Versprechen hat er vielleicht eh schon gegeben, oder es wird zumindest immer wieder rasch erneuert werden müssen…? 😉

Ich muss alles Oma auf Deutsch rückübersetzen (wie kommunizieren die drei eigentlich miteinander?). Sie wirkt glücklich und zufrieden.

 

  • Eine Frau, Biologin, mit Baby am Arm. Sie hat eigentlich keine Frage aber eine gute Anregung. Am Spielplatz war gerade kurz zuvor ein Schmetterling und hatte sich auf ihre Hand gesetzt. Ein paar etwa 7jährige stellen eine für sie seltsame Frage „macht der nichts?“. Ihr Thema: Sollten Kinder nicht bitte früher/mehr zu Biologie/Umwelt lernen!? (Anmerkung: JA!)

 

  • Wir (wie schon die Woche zuvor gemeinsam mit Dimi – Danke!) setzen uns zu zwei jungen Frauen, beide etwa 16 Jahre, beide mit Kopftuch. Sie sitzen und basteln etwas – wie sie sagen für einen Freund in Amerika, das schicken sie ihm zum Geburtstag.

Wir kommen rasch zum Thema. Eine davon geht in die Handelsschule, ist mit allem ehrlich zufrieden (das freut!). Die andere erzählt: Sie war im Poly im Rahmen der Berufsorientierung auch bei einer Zahnärztin als Helferin schnuppern. Offenbar waren beide Seiten von einander sehr angetan. Jedenfalls wurde sie vom Fleck weg eingeladen, dort zu bleiben. Nach paar Monaten hatte sich alles drastisch verändert. Das Kopftuch (ist ihr wichtig!) wurde ihr radikal während der Arbeitszeit verboten, die Kolleg_innen hätten angefangen sie zu mobben. Sie hätte auch bei der Ärztin das Gefühl, diese behalte sie nur weil sie perfekt/akzentfrei Deutsch und Türkisch beherrsche. Eben ein Mehrwert. Aber menschlich fühlt sie sich keine Sekunde wertgeschätzt. Sie ist unsicher, denn vor allem der viele Kontakt mit den Menschen gefalle ihr, sie liebe diese freundlichen Gespräche mit den Patient_innen, spüre, sie kann helfen. Aber würde sie wirklich dort bleiben wollen oder können? Man merkt, sie ist eine ehrgeizige, starke, positive junge Frau. Wir beide versuchen sie zu ermuntern, ein offenes Gespräch mit der Zahnärztin zu führen (hat sie in all‘ den 10 Monaten noch nicht!), und schlimmstenfalls (zB via Ärztekammer, Helfer_innen werden gesucht!) zu wechseln.

  • Ein Bursch kommt mit seinem älteren Bruder vorbei. Beide sind in Österreich geboren, die Familie aber aus Serbien. Das Österreich deswegen auch ihre Heimat wäre ist ihnen auffallend wichtig. Sie erzählen es ohne Frage nach dem (mE etwas schrägem) „woher“? (das ich deswegen selten frage). Der jüngere besuche die Hotelfachschule Wassermanngasse. Das letzte Jahr hätte er etwas „verschlampt“, jetzt aber wolle er Gas geben. Aber eigentlich haben sie Fragen zu einer möglichen Selbstständigkeit (wobei der Bruder Fischer auf der Donauinsel! ist). Beide wollen gemeinsam mit anderen aus ihrer Familie und Freunden eine große Jacht im Mittelmeer als Touristenschiff betreiben. SIe haben schon für alle Aufgaben Menschen, aber wie würden wir diese Idee finden?

WIr kommen in größerer Runde dazu ins Gespräch, rasch sind wir uns einig. Es braucht Visionen, auch diese Art von Gründerwillen, unternehmerischem Tun.

Wir? – ja, wieder ist eine große, liebe Gruppe von Menschen im Park zusammengekommen, um gemeinsam zuzuhören. Auch dieses Mal sind es die vielen Unterstützenden, die diese Parktour zuletzt auch ermöglichen. Die Grünen Floridsdorf, vor allem auch ihrer Spitzenkadidatin Susanne Dietl, aber auch – einfach nur großartig! – Julia Sachs, extra zur Unterstützung aus dem 22. gekommen. Ein großes Danke an euch alle!

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