Schule und Zeit

Zeit ist neben Raum und Inhalt(!) eine der zentralen Fragen von Schule und Lernen. Nicht von ungefähr wird deswegen die Verteilung der von der Schule organisierten Zeit über den Tag und über das Jahr stetig thematisiert. Im Gleichklang (leider!) mit der allgemeinen Lethargie, man möchte fast sagen Unwilligkeit, wird auch dieses Thema weder breit besprochen noch wird versucht einen Konsens zu finden, der uns alle endlich auch hier in das 21. Jahrhundert führen würde.

Tatsächlich hat die momentane Zeitordnung historische Wurzeln und hatte vor Jahrhunderten auch durchaus sinnvolle Gründe. Exerzieren/Austritt finden wir in den 50 Minuten/Pause abgebildet und die Sommerferien waren ursprünglich eine Art Kompromiss, um Kindern von Bauern Bildung zu ermöglichen, sie aber zugleich in der Erntezeit zur Arbeit einsetzen zu können.

Heute sind das Relikte, oft unreflektiert in ein organisatorisches Gefüge eingebunden. Sie stellen damit eine der klassischen „sich selbst rechtfertigenden Notwendigkeiten“ dar und sind als solche mit erstaunlichen Beharrungskräften ausgestattet.

Organisatorische Notwendigkeit? Klar, wenn Lehrer_innen in eine Art Fließbandarbeit eingebunden sind, also in Rudeln und auf die Pawlowsche Klingel hin in andere Räume samt deren Insassen wechseln, so heißt dies‘ auch konsequenter Weise die Festlegung auf feste, akkordierte Zeitpunkte des Wechsels, im Moment eben nach 50 (mancherorts 45) Minuten.

Jedes Abgehen davon hieße eine völlig neue Definition von Lernen, von Schule an sich. Das Bild vom Stundenlehrer, auch die Definition unserer Arbeit über „Werteinheiten“ (da stehen wir dann jeweils unsere 50 Minuten am Fließband), gilt es sowieso dringend an die Neuzeit anzupassen. Kinder lernen, wie alle Menschen, nicht im Rhythmus der Glocke, Lehren und Lernen sind schon alleine vom Parameter Zeit dringend neu zu gestalten.

Womit wir bei jenen sind, um die sich Schule ja zu aller erst drehen muss, bei den Schülerinnen und Schülern!

Schulzeiten konkret – ein Diskussionsbeitrag:

der Tag – weg von den 50′ Hauferln, hin zu längeren, flexibleren Zeiteinheiten (eher ein Thema ab der Sekundarstufe, nach der Volksschule, wo naturgemäß freiere Zeiteinteilung bereits gelebt wird)

  • schulautonom(!) große Mobilität in den Unterrichtseinheiten
  • Blockungen, „Epochen“
  • z.B. auch (in allen Sekundarschulen) Jahrgang Teams mit relativ großer Autonomie bei den Stundenplänen usw…

Schulzeit jeden Tag

  • Die österreichische Schule (die „Regelschule“) wird zu einer Schule mit verpflichtendem Unterricht von 09.00 – 15.00
  •  In zumutbarer Entfernung muss für alle Kinder/Eltern auch eine Halbtagsschule erreichbar sein (wir drehen also das jetzige Modell Halbtag/Ganztag gedanklich und real um)
  • Jede Schule ist dabei ab 07.00 und bis 19.00 offen. Die Anwesenheit ist möglich aber nicht verpflichtend. Die Betreuung erfolgt nicht nur durch Lehrer_innen, sondern (auch) mit Unterstützung durch außerschulische Institutionen/Menschen. In diesen Zeiten wird verstärkt Sport, Musik, Hobby, lernen,… angeboten.
  • !Frühstück und Mittagessen wird in der Schule bereitgestellt, steht (sozial gestützt) für jene die es brauchen auch kostenfrei zur Verfügung.

Ferien, die neue Verteilung der Schulzeit über das Jahr

Die Summe der Ferien wird für die Schüler_innen nicht reduziert, für Lehrer_innen und alle, die in Zukunft (bitte!) aus den verschiedensten Berufen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zusammen arbeiten (im multiprofessionellen Miteinander) wird eine Woche am Rande der Sommerferien für schulinterne Fortbildung, verpflichtend, verwendet!

  • 2 Wochen weniger im Sommer (für Lehrer_innen et al nur 1 Woche weniger Ferien)
  • davon 1 Woche als Herbstferien
  • die 5 Tage der zweiten Woche werden für folgende Tage fix verwendet: Mi-Fr nach Ostern und die beiden Fenstertage/Zwickeltage, nach Fronleichnam sowie Christihimmelfahrt
  • die schulautonomen Tage  werden Schüler_innen (ev auch Lehrer_innen?) der freien Disposition überantwortet, diese (in Verantwortung und auf Antrag der Eltern) können sie nach Rücksprache mit der Schulleitung freinehmen.Kleiner Zusatz: Die Tage jeweils nach den Notenkonferenzen (diese ist bitte etwa 2-3 Tage näher zum Zeugnis hin zu verlegen) und Schulschluss sind für alle mit verpflichtenden Modulen/Projekten zu füllen. Für die 7. – 9. Schulstufe z.B politische Bildung!, sonst z.B Soziales, Erste Hilfe, Exkursionen
    Naturwissenschaften, Kunst, oder anderes…

    Diese Neuordnung der Ferien ist ein Vorschlag für alle Pflichtschulen in Österreich, also alle Schüler_innen von der 1. Klasse Volkssschule weg. Für AHS/BHS in der Oberstufe fallen Praktika und Ferienjobs an. Deshalb schlage ich für diese den Wegfall von nur einer Woche im Sommer vor.

 

Ich stelle diese Idee (bereits vor Jahren entwickelt, auch öffentlich thematisiert) hiermit sehr gerne zur Diskussion. Die jahrelange Thematisierung der Sommerferien, regelmäßig auch medial am Ferienanfang im Fokus, möge endlich breit diskutiert – und dann neu beschlossen werden!

Ich wäre für die Verbreitung, und auch besonders für kritische und ergänzende Wortmeldungen, sehr dankbar!

Ein Gedanke zu „Schule und Zeit“

  1. Ich finde die Ansätze durchaus verfolgenswert. Natürlich finden gerade Schüler die Ferien gerade richtig wie sie sind (wenn nicht sogar zu kurz).

    Was ich persönlich immer sehr anstrengend fand war die Tatsache dass Ferien so „blockartig“ sind. Da eine Woche, dort 3 Tage… und dann 9 Wochen am Stück. Für MICH wären regelmäßig verteilte, dafür kürzere „Auszeiten“ angenehmer gewesen.
    Gerade s.g „Fenstertage“ zu füllen wäre in meinen Augen wünschenswert, oft ist es auch für Eltern möglich sich diese so „freizumachen“ dass gemeinsame Unternehmungen möglich sind.

    Die Vorschläge zur Änderung der Schulzeiten finde ich allesamt sehr gut, auch wenn ich mich (unwissender Weise) frage ob dies (vor allem unter dem finanziellen Aspekt) umsetzbar ist. Einzige Anmerkung: Mahlzeiten in der Schule sind nur so lange sinnvoll wie sie auch schmecken. Da dürfte wohl nicht gespart werden.

    Und zum Abschluss: Lehrer haben eine Aufgabe die wichtig ist wie nur wenig anderes, gleichzeitig aber besonders wenig gewürdigt wird. Den kommenden Generationen, unserem Nachwuchs und den zukünftigen Köpfen unserer Welt das nötige Wissen zu vermitteln dass diese ihre Rolle zu ihrer (und derer anderer) Zufriedenheit erfüllen können.
    Ich würde mir deshalb sehr wünschen dass nicht die freie Zeit der Lehrer gekürzt wird- sondern die „Ferienzeit“ anderer Berufssparten verlängert wird. Ich denke da besonders an Alten-/Krankenpfleger, Krankenschwestern,.. und allen anderen körperlich wie seelisch höchst anstrengende Berufe.

    Lehrer sein ist, denke ich, eine Berufung. Und wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke… wir haben es unseren Lehrern nicht leicht gemacht ihre Motivation, Zuversicht und den Spaß an der Sache zu behalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.