#sagsLandau – zuhören im Arne-Carlsson Park im 9. Bezirk

nach dem ersten Termin, der mir noch immer in guter Erinnerung ist…

…wie würde es werden, wieder viele Menschen, ähnliche Anliegen…?

wieder war das Wetter schön, als ich gestern den Park betrat – wieder ein guter Tag zum Zuhören! Der zweite Tag, diesmal gemeinsam mit Momo Kreutz, Kandidatin als Bezirksvorsteherin am Alsergrund. Der Park ist wesentlich kleiner als der Kongresspark letzte Woche, es gibt einen Spielplatz, paar Wiesen. Ja, auch auf diesen Wiesen spielen die Kinder (immer wieder fällt mir der Augarten ein, auf dessen Wiesen leider das allermeiste verboten ist), auch ein paar ältere Damen und Herren sitzen auf Decken. Wieder wirkt der Park angenehm entspannt.

Direkt neben dem Spielplatz, auf der Schmalseite des Parks, befinden sich gerade Container der „Schule im Park“, die dieses Schuljahr grundsaniert wird und so direkt in den Park übersiedelte. Gerade wie wir aufbauen wollen, kommen ein paar neugierige Kinder her, die offenbar dort gerade in der Hortbetreuung sind. Auf meine Frage zu ihnen, wie es denn in der Schule so geht, sagen sie zu aller erst: „Der Blick ins Grün auf beide Seiten ist super“. Ihr Lächeln dabei weitet sich zu einem freudigen Lachen, als sie ein paar der Kreisel (die haben wir wieder auf der Tour mit) bekommen. Die Kreisel sind – wie letzte Woche auch – nach ein paar Minuten weg. Die Kunde spricht sich unter den Kindern schnell herum… 🙂

Wieder helfen einige aus der Bezirksgruppe, wieder unterstützt Liesbeth alles schlicht genial, wieder ist auch Dimi da (DANKE euch allen!). Schnell wird das Transparent aufgebaut, das Kaffeerad positioniert, und los geht’s, Momo und ich machen uns auf, um mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen…

 

die Kurzprotokolle: (diesmal nicht alle ganz so kurz)

  • erstes Gespräch (ich habe mich zu einem älteren Herren auf eine Bank gesetzt). Nach ein paar Minuten kommen wir gut ins Plaudern. Zwei Enkelsöhne, einer 10 Jahre, der andere 12. Beide wurden schon in Österreich geboren (er selber kam vor vielen Jahren aus Kroatien). Er wohnt mit seiner Familie (auch den Enkeln) in Favoriten und ist jetzt nur in diesem Park im 9., weil der Ältere (Gymnasium) gerade „bei einem Professor ums Eck“ Deutsch Nachhilfe hat. Der Jüngere will auch ins Gymnasium. Lauter 1er, aber ein 3er in Deutsch. Er steht deswegen also vor einer Aufnahmeprüfung für das Gymnasium. Er, der Großvater, ist sehr besorgt. Er will auch für den Buben „das Beste“. Aber er finanziert schon die dringende Nachhilfe in Deutsch für den Älteren, einer mehr „geht nicht“. Man sieht ihm die Trauer, ich meine fast die Scham (die mich wiederum traurig macht), an. Wir stimmen bezüglich Wichtigkeit der Landessprache überein, auch und besonders im Hinblick auf spätere berufliche Aussichten seiner Enkelsöhne. Dennoch, wir diskutieren länger, warum Kroatisch (sprechen alle perfekt) nicht als Muttersprache bewertet werden kann, und Deutsch, sozusagen als Zweitsprache, damit etwas weniger entscheidendes Gewicht erhalten könnte?

Anmerkung: (wir diskutieren das nicht miteinander) für mich wieder einmal ein gutes Beispiel, warum die trennende Schule mit 10 Jahren letztlich ein „Trugschluss“ ist, wie ärgerlich das ist, wenn das eine(!) Defizit ein „NJET“ bedeutet!

 

  • drei Gespräche mit Frauen, zwei Mütter, eine Horterzieherin. Fast durchwegs zu große Gruppen im Hort, in dieser Nachmittagsbetreuung, von der Gemeinde finanziert. 25 Kinder, eine Erzieherin, bei schlechtem Wetter auf 35m²(!). Wir sehen es ident. Für jedes einzelne Kind, auch für den hohen eignen Anspruch dieser Erzieherin, eine mehr als unzureichende Betreuungs- und Raumsituation. Ausbildung, Gehalt, Arbeitsbedingungen werden besprochen. Stichwort: „was sind uns unsere Kinder dann eigentlich wert?“

 

  • Eine Mutter, zwei Töchter, eine 11 (andere schon aus der Schule?). „Die Ältere hat sich immer in der Schule leicht getan, Gott sei Dank, denn ich kann (und will?) nicht helfen.“ Die Jüngere verweigert in Mathematik offenbar völlig (Deutsch und Englisch sehr gut, sonstige Lernfächer Geografie, Geschichte – naja…). Die Lehrerin (NMS) wendet sich regelmäßig (ebenso verzweifelt?) an die Mutter. „Ständig kontaktiert sie mich, ich solle darauf achten, dass sie die Hausübungen macht (die sie aber offenbar – wie die Tochter – selber nicht versteht?), darauf achten, dass die Tochter besser aufpasst…“

Sie fragt mich um Rat, was tun? Ich versuche ihr, meine „Karottentheorie“ (sie wissen schon: Esel, Karotte…) zu erklären: Was will sie den später machen? Schauspielerin. Okay, also zwar nichts mit Mathematik, aber auch dieses Fach wird notwendig sein, damit sie ihren „Zugangsschein“ erhält. Vielleicht – wenn sie diesen Berufswunsch nur wirklich ernst genug hegt – hilft das als „Argument“, dass man deswegen auch „durch Mathe durch muss“? Die Mutter ist skeptisch, Strafe, Lob, auch diese Art von Versprechen hätte sie schon probiert.

Anmerkung: wie könnte es besser gelingen, dass Schule wirklich auch zu 100% dort und exklusiv, also ohne Unterstützung zu Hause, stattfinden kann? Mehr und mehr Eltern können nicht helfen, sich Nachhilfe auch nicht leisten. Selbst wenn es Eltern „könn(t)en“, aber (z.B. zeitlich) nicht wollen, mit den Kindern bis zum Abend Schule zu machen – wäre/ist das „verwerflich“? Wodurch könnte Frustration, völlige Verweigerung von Mathematik (diesem für mich wunderbaren! 🙂 Fach) vermieden werden? Lob bei jedem kleinsten Erfolg? Das hatte zumindest bei einigen meiner Schüler_innen funktioniert. Aber macht das Sinn?, funktioniert das also quasi auch „strukturell“?

 

  • Eine Mutter: sie lebt mit einem Mann zusammen, beide sind Alleinerzieher_in, sie sind kein(!) Paar. Die Frau hat zwei Kinder, eines im Kindergarten, eines in der Volksschule bzw. im Hort. Sie meldet für beide Befreiung vom Essensbeitrag an. Hort wird ohne Problem genehmigt. Kindergarten wird abgelehnt. Begründung: sie lebe ja eh mit einem Mann (Erklärung: er hat etwas mehr Mittel zur Verfügung) zusammen. Ihr Einwand, das wäre weder Freund noch „ihr“ Mann, wird schlicht „nicht geglaubt“. „Sie stehen beide im Mietvertrag(!), dies reicht für uns als Beweis(!), dass sie in Gemeinschaft leben.“ Ihre Nachfrage, „wie kann ich beweisen, dass das nicht stimmt?“, wird achselzuckend quittiert. Eine Mitarbeiterin vermutet(!): „Vielleicht mit einem Notar?“. Was das genauer heißen soll, wird nicht „gewusst“. Sie gibt (September 2014) auf. Für das Sommerhalbjahr probiert sie es erneut. Diesmal mit eidesstattlichen Erklärungen ihres Mitbewohners und von ihr. Abgelehnt. Auch für dieses Sommerhalbjahr ist der Zug somit abgefahren.

Wir haben uns darauf verständigt, sie soll mir eine etwaig erneute Ablehnung (im September 2015) senden. Sie hofft, „dass dann Grün mehr zu sagen hat.“ Das lasse ich mal so stehen 🙂

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