#sagsLandau – erster Tag, Kongresspark in Ottakring

Ich werde versuchen in den nächsten Wochen (genaue Termine der Tour siehe letzter Blogbeitrag) ein paar der Gedanken und der Anliegen der Menschen wiederzugeben. Ich werde dabei immer nur ein paar wenige der Gespräche veröffentlichen (im Kongresspark waren es wirklich 3h praktisch durchgehendes Zuhören). Dabei fühle ich mich verpflichtet, alles maximal zu anonymisieren, ersuche deswegen um Verständnis, dass vieles relativ im Ungefähren bleiben könnte. Ich werde diese Gespräche in Form von Kurzprotokollen (von mir selber gleich am Abend angefertigt) wiedergeben und sie auch nicht kommentieren, da ich denke, es nimmt ihnen die Kraft. Gar nicht so leicht als ehemaliger Lehrer 😉

Erster Tag von „Los, sag’s mir – #sagsLandau“

vorab etwas zum ganzen Nachmittag:

Ich fand die Stunden im Park überwältigend und wahnsinnig lehrreich, fast noch besser als erwartet. Ich denke in der Tat mehr und mehr, wir brauchen viele Gespräche mit den Menschen, müssen uns ihre Erwartungen, Anliegen und Sorgen anhören, wenn wir stärker legitimiert für unsere Politik sein wollen.

…die ganze Aktion ist ja natürlich keine „One Man Show“, wurde bereits großartig im Vorfeld unterstützt (Danke an die vielen Lieben bei den Grünen Wien!). Auch für das gute Miteinander, direkt im Park vor Ort, möchte ich mich bei vielen aus dem Bezirk (Ottakring) bedanken, bei zwei gerne namentlich: bei Joachim Kovacs und bei Dimitra Inci. Danke vielmals!

So, also wie war das nun am Dienstag, den 2. Juni im Kongresspark in Wien?

Ich war etwas zu früh (überpünktlich) dran und konnte deswegen eine Runde durch diesen grossartigen Park drehen. Kinder spielten auf den zwei Spielplätzen, liefen lachend über Wiesen. Gehörlose (merkte ich nicht, wurde mir dann aber erzählt), voller Freude mitten drunter. Jüngere, aber auch viele ältere Damen und Herren saßen im Gras, bei den Tischen, im friedlichen Zusammen das Leben genießend. Wunderbar schön – alles an unterschiedlichem Alter oder Umfeld, verschiedener Herkunft und Sprache gleichsam kein Thema. Einfach ein Miteinander, Inklusion die lebt!

 

Dann begannen (pünktlich ab 15h) die Gespräche. Zuerst gingen wir selber auf die Menschen zu, fragten sie ob sie zu Kindergarten oder Schule ein Anliegen hätten, binnen kürzester Zeit begannen Leute zu uns zu kommen, sicher auch angelockt durch den guten Kaffee 😉

paar Kurzprotokolle:

  • Eine Frau mit kleinem Kind, knapp 5 Monate alt:
    Sie möchte genau nach 1 Jahr zurück zu ihrer Arbeit. Fand auch nach längerem Suchen einen KG Platz (großer, privater Verein)
    -> aber(!) Einstieg immer nur im September möglich, sie bräuchte ab Februar 16 den Platz.
    Finanziell hätte sie die Möglichkeit, auch schon ab September 15 das Kindergartengeld zu zahlen, das geht aber nicht(!)/wird nicht erlaubt, weil „Anwesenheitspflicht“ im Kindergarten besteht.
  • Zwei Mütter – ebenfalls auf der Suche nach Kindergartenplätzen, eine Alleinerzieherin, eine verheiratet. Beide bekommen keinen Platz, weil jeweils nicht dauerhaft(!) beschäftigt.
  • Frau, Alleinerzieherin, 10J Sohn.
    Sohn besucht eine Volksschule, wo er einer von zwei Kindern ohne „Migrationshintergrund“ in der Klasse ist. Das fände er (und sie) „gar kein Thema“ , bzw. sagt sie „wunderbar“. Er hat sich sehr schnell an die verschiedenen Sprachen und Kulturen gewöhnt. Mittlerweile sprächen sowieso einige viel besser als er. (dürfte kein besonders guter Schüler sein, keine Details gefragt). „Wilde“(?) Volksschullehrerin, schreit, wertet ab, immer die gleichen 3 Buben müssen regelmäßig nachsitzen, 2-3 mal/Woche(!). Der Sohn ist sehr froh, dass er dort bald weg kann!
    Das alles ist aber eigentlich nicht(!) Thema, will der Lehrerin nix böses, die „geht eh bald in Pension“
    -> Thema: NMS, Mutter und Sohn haben sich 3, 4 verschiedene angesehen, für eine … entschieden. Mit Glück (ist überlaufen) noch Platz für eine der nächsten ersten Klassen bekommen. Anfang Mai: inoffizielles Kennenlernen der Eltern und der Kinder.
    Schock: die Direktorin „sortiert“ nach Nationen!
    a) Klasse „Mix – aus den verschiedensten Herkunftsländern“, b) Türken, c) Serben (dort ihr Sohn), d) Integration
    Überall sind 1, 2 autochthone Kinder „dazu gesteckt“ worden. Sohn (bei Serben) fühlt sich als völliger Außenseiter, „verweigert“ völlig, dort hin zugehen. Frau weint bitterlich… 🙁
    (Glaube, ich konnte mit ihr gemeinsam, zwei recht gute, mögliche Lösungswege skizzieren, beruhigte sich. Hat mich persönlich besonders bewegt…)
  • „Miki“, Musiker und grenzgenialer serbischer Papa zweier Töchter (5 u 12), seiner „Prinzessinnen“. Kennen zufällig beide einen recht bekannten serbischen Volksmusiker persönlich, „erleichtert“ Gesprächseinstieg enorm, war das erste Gespräch, ich hatte mich dazu einfach zu ihm gesetzt 😉
    Sehr zufrieden mit der Vorschule. 12jährige in NMS, lauter gute Noten, nur Mathe. Anmerkung: Er bringt beide Töchter jeden morgen mit dem Auto zur Schule, obwohl sie zu Fuß 3-4 Minuten weg wohnen. Das viele Grün in mir sagt laut (aber innerlich!) hmm…

 

Bleibt mir nur noch zu sagen: ich nehme an, niemand der Menschen, die mit mir sprachen, wird diesen Blog jemals lesen – aber dennoch, oder umso mehr – DANKE!

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