Junge schreiben für Junge

„Wer weiß besser, was Jugendliche interessiert, als Jugendliche selbst?“, meint Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Er leitete damit seine Forderung vor zwei Wochen ein, Schülerzeitungen quer über ganz Österreich mit 100 bis 500 Euro pro Ausgabe und mit einem Maximalbeitrag pro Jahr von 1000 Euro zu fördern. Eine erweiterte Presseförderung im besten Sinne des Wortes.

Ich sage, ja! – er hat Recht. Und ich finde es richtig und wichtig, diese Anregung nicht einschlafen zu lassen.

Einschlafen, wie viele wichtige zu ändernde Dinge bei Bildung. Einschlafen, weil die verschiedensten Gruppen lieber Kleinkriege führen, als Lösungen anzubieten.

Ein aktuelles Beispiel gefällig? Heute früh wurde thematisiert, dass der Upload der „VWA“ (Vorwissenschaftlichen Arbeit, eine der drei Säulen der neuen Matura) technisch nicht möglich wäre. Ein Geheul brach los, als ob es etwa gar daran läge, dass wir unverändert etwa 10.000 Kinder „verlieren“, Jahr für Jahr!

Nicht, dass sich die Pannen nicht etwa häuften, dass es natürlich von besonderer Inkompetenz zeugt, wenn gegen Ende der Frist, diese Arbeiten im Netz hochzuladen, die erforderlichen technischen Mittel nicht bereitgestellt scheinen. Aber wirklich schwer zu lösen?

Die Lehrer_innen bestätigen, dass die Arbeiten fristgerecht fertiggestellt wurden. Der Upload möge erfolgen, sobald es geht. Problem erkannt, Problem gelöst, Denkaufwand: etwa drei morgendliche Sekunden. Natürlich dann aber nicht mehr geeignet, um politische Mitbewerber zu desavouieren – hängt halt auch davon ab, was will man?

Zurück zum Thema, das ich gerne eben NICHT einschlafen sehen möchte. Ein Thema, das – geschickt gemacht – tatsächlich zu einer Win-Win-Situation führen würde, ja sollte. Ein Thema, das tatsächlich realen Gewinn für jedes(!) Kind bringt.

„Wer eine Zeitung selber produziert, lernt nicht nur schreiben!“, meint Walser folgerichtig. Eine Zeitung bringt tatsächlich verschiedenste Facetten an „mehr“ für Schule, …und ja – ich habe dies auch schon in Volksschulen erlebt, wie Gespräche über zu schreibende Beiträge spannendste Diskussionen ergeben. Wie die Jüngsten auf einmal eifrig für und wider abwägen, Perspektivenwechsel und Empathie einfach stattfinden, ohne dass die 8/9jährigen diese Worte wohl jemals gehört hätten.

„Wenn sich die Jugendlichen selbst um die Finanzierung, etwa den Kosten für Druck oder Domain kümmern, etwa durch Verkauf von Inseraten, Spendenaktionen oder einem selbst organisierten Flohmarkt, lernen sie auch viel über wirtschaftliche Zusammenhänge“, ist der passende Hinweis auf den Diskurs über reale und praktische wirtschaftliche Ahnung.

„SchülerInnen, die Zeitung machen, sind hochengagiert und setzen sich kritisch mit ihrer Lebenswelt auseinander. So kommt politische Bildung und Medienkompetenz direkt bei den SchülerInnen an“, ist Walser abschließend überzeugt…

Ich erlaube mir, noch eine Coda zu dieser wohltuend konstruktiven Forderung dazu zu komponieren:

– Ich rege zusätzlich an, auch in Österreich breitflächig Gesprächswettbewerbe (vergleichbar den jetzt eher vereinzelten Debattierclubs) in Schulen zu gründen und diese (auch finanziell) von staatlicher Seite so zu ermöglichen, zu etablieren. Dass hier kein Missverständnis aufkommt, ich rede von real zusätzlichen Mitteln an dieser Stelle!

und

– All dies fordere ich selbstverständlich in den wichtigsten, sagen wir mal etwa 10, Sprachen. Und ja, „wichtig“ meint (neben Englisch als international verbreitete) nach Anzahl der Schüler_innen in den Schulen Österreichs. Und nein, das ist z.B. nicht Finnisch… 😉

Mögen unsere Sprachen, unser Denken nicht weiter verarmen – in Schrift und Wort!

2 Gedanken zu „Junge schreiben für Junge“

  1. Lieber Daniel,

    ja!
    Möchte man rufen, wenn man das liest….
    Die von dir angeregten Redewettbewerbe bundesweit gibt (oder gab) es in Deutschland bereits.
    Ein Freund war der Initiator – „Jugend debattiert“ heißt das Ganze und wurde von der Bertelsmann Stiftung finanziert.
    Man müsste also nicht einmal das Rad neu erfinden.
    Aber vielleicht wäre das ja wieder ein Ansatz zum Scheitern, wenn in oft erlebter Manier, in Österreich so getan wird, dass alles hier seinen Ausgangspunkt nimmt…
    herzliche Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.