Ich habe meine Tutorin lieb gehabt

…und dann sagt Paulina: „es mag vielleicht komisch klingen, aber ja, ich habe meine Tutorin lieb gehabt“

Letzten Montag im übervollen Musensaal gab es einen Alpbach Talk, eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem European Forum Alpbach und der Wiener Zeitung. Diesmal auch unter der Beteiligung der BildungsNGO jedesK!ND.

Ich hatte Margret Rasfeld einladen dürfen, ihre Schule ESBZ vorzustellen. Dabei war es uns ein Anliegen, ihre Motivation, ihre pädagogischen Grundsätze, ihren Werdegang genauso zu thematisieren, wie eben den real gelebten Schulalltag vor Ort.

Margret Rasfeld war nicht alleine gekommen, zwei ihrer SchülerInnen waren mit ihr von Berlin angereist. Extra einen Tag aus der Schule, um Zeugnis zu geben, wie es besser gehen kann.

Und wie sie das taten! Magret Rasfeld, die ich schon länger begleiten und kennen darf, hat ja schon alleine, für sich, eine ungeheure Strahlkraft, die immer wieder dazu einlädt, doch bitte mal näher hinzusehen, welche Möglichkeiten Schulleitungen haben könnten, oder besser vielleicht haben sollten. Welch‘ starke Hebelwirkung von inspirierten Leiterpersönlichkeiten ausgehen, welche unglaublichen Veränderungen bewirkt werden können, wartet auch in Österreich noch auf eine nähere Analyse. Nebenbei bemerkt, dürfen wir uns nicht länger der Frage verschließen, warum so wenige Menschen bereit sind, eine Schulleitung zu übernehmen, sondern sollten dringend diskutieren, wie diese Aufgabe in ihrem Profil, ihren Möglichkeiten jetzt denn real ausgestattet ist und was es brauchen würde, um Zeit und Raum für die wichtigste, die eigentliche „Führungsaufgabe“, zu gewinnen.

Zurück zu Ivy und Paulina, die zwei freundlichen, kritischen, durchaus selbstbewussten, jungen Frauen (15 Jahre alt), die da den ganzen Abend neben mir saßen. Mit strahlend leuchtenden Augen berichteten sie vor den etwa 400 Zuhörenden vom Schulalltag, wie es denn so wäre, wenn auf einmal Zusammenarbeit selbstverständlich wird. Was die Grundausrichtung, die Lernbüros, das Fach Verantwortung, das Fach Herausforderung denn real bedeute. Was es heißt, ihre Aufgaben, ihre mündlichen und schriftlichen Testate, in freier Zeiteinteilung abzulegen. „Führt denn das nicht dazu, dass ab und zu wer was nicht macht, einfach nicht machen will“? und „wie ist das dann mit dem Abschreiben, beziehungsweise, wäre das denn „gerecht“, wenn die Mitschülerin paar Tage später die gleichen Aufgaben erhält?“, werden sie gefragt.

„Die Frage stellt sich nur, wenn Noten reiner Selbstzweck werden, wir aber lernen Sinn bezogen, primär einfach für uns selbst“

„Ja klar, kommt vor, dass jemand ‚mal nicht will. Aber wir alle wissen, letztlich müssen wir genauso wie alle anderen alles lernen, denn auch wir werden am Ende zentral geprüft.“

Paulina ergänzt: „…unter anderem deswegen haben wir ja das Tutorensystem. Jede/r Tutor_in hat 13 Schüler_innen zu betreuen, dafür extra Zeit im Stundenplan vorgesehen. Da kann man richtig gut miteinander bereden, alles. Auch mal privates, Kummer und Sorgen.“

…und nach ihrem „das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber ich habe meine Tutorin lieb gehabt“ spürt man einen kurzen Moment, wie der Saal den Atem anhält.

Jede/r Zuhörer_in mag in diesem Bruchteil einer Sekunde andere Gedanken gehabt haben, ein Vater bringt es in der anschließenden Diskussion auf seinen Punkt: „Ich liebe solche Veranstaltungen, man lernt soviel Interessantes kennen. Und dann, beim Nachhause fahren zerreißt es mir dennoch oft das Herz. Ich habe einen Sohn der gerade in den Maturavorbereitungen ist und denke mir, was ihm alles entgeht.

Ich kann dem wenig hinzufügen – außer vielleicht noch zwei Berichte der Wiener Zeitung, einmal vorher und nachher.

…und ein riesiges Danke an das European Form Alpach und die Wiener Zeitung, die diese Veranstaltung ermöglichten. An Ivy und Paulina, die mit ihren Berichten diese „andere Haltung Schule“ unmittelbar erlebbar machten und an Margret Rasfeld, die mit ihrem Wirken wohl schon Abertausende Kinder aus deren natürlicher Anlage heraus glücklich, neugierig und wissbegierig beließ. Danke!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.