Schule und Zeit

Zeit ist neben Raum und Inhalt(!) eine der zentralen Fragen von Schule und Lernen. Nicht von ungefähr wird deswegen die Verteilung der von der Schule organisierten Zeit über den Tag und über das Jahr stetig thematisiert. Im Gleichklang (leider!) mit der allgemeinen Lethargie, man möchte fast sagen Unwilligkeit, wird auch dieses Thema weder breit besprochen noch wird versucht einen Konsens zu finden, der uns alle endlich auch hier in das 21. Jahrhundert führen würde.

Tatsächlich hat die momentane Zeitordnung historische Wurzeln und hatte vor Jahrhunderten auch durchaus sinnvolle Gründe. Exerzieren/Austritt finden wir in den 50 Minuten/Pause abgebildet und die Sommerferien waren ursprünglich eine Art Kompromiss, um Kindern von Bauern Bildung zu ermöglichen, sie aber zugleich in der Erntezeit zur Arbeit einsetzen zu können.

Heute sind das Relikte, oft unreflektiert in ein organisatorisches Gefüge eingebunden. Sie stellen damit eine der klassischen „sich selbst rechtfertigenden Notwendigkeiten“ dar und sind als solche mit erstaunlichen Beharrungskräften ausgestattet.

Organisatorische Notwendigkeit? Klar, wenn Lehrer_innen in eine Art Fließbandarbeit eingebunden sind, also in Rudeln und auf die Pawlowsche Klingel hin in andere Räume samt deren Insassen wechseln, so heißt dies‘ auch konsequenter Weise die Festlegung auf feste, akkordierte Zeitpunkte des Wechsels, im Moment eben nach 50 (mancherorts 45) Minuten.

Jedes Abgehen davon hieße eine völlig neue Definition von Lernen, von Schule an sich. Das Bild vom Stundenlehrer, auch die Definition unserer Arbeit über „Werteinheiten“ (da stehen wir dann jeweils unsere 50 Minuten am Fließband), gilt es sowieso dringend an die Neuzeit anzupassen. Kinder lernen, wie alle Menschen, nicht im Rhythmus der Glocke, Lehren und Lernen sind schon alleine vom Parameter Zeit dringend neu zu gestalten.

Womit wir bei jenen sind, um die sich Schule ja zu aller erst drehen muss, bei den Schülerinnen und Schülern!

Schulzeiten konkret – ein Diskussionsbeitrag:

der Tag – weg von den 50′ Hauferln, hin zu längeren, flexibleren Zeiteinheiten (eher ein Thema ab der Sekundarstufe, nach der Volksschule, wo naturgemäß freiere Zeiteinteilung bereits gelebt wird)

  • schulautonom(!) große Mobilität in den Unterrichtseinheiten
  • Blockungen, „Epochen“
  • z.B. auch (in allen Sekundarschulen) Jahrgang Teams mit relativ großer Autonomie bei den Stundenplänen usw…

Schulzeit jeden Tag

  • Die österreichische Schule (die „Regelschule“) wird zu einer Schule mit verpflichtendem Unterricht von 09.00 – 15.00
  •  In zumutbarer Entfernung muss für alle Kinder/Eltern auch eine Halbtagsschule erreichbar sein (wir drehen also das jetzige Modell Halbtag/Ganztag gedanklich und real um)
  • Jede Schule ist dabei ab 07.00 und bis 19.00 offen. Die Anwesenheit ist möglich aber nicht verpflichtend. Die Betreuung erfolgt nicht nur durch Lehrer_innen, sondern (auch) mit Unterstützung durch außerschulische Institutionen/Menschen. In diesen Zeiten wird verstärkt Sport, Musik, Hobby, lernen,… angeboten.
  • !Frühstück und Mittagessen wird in der Schule bereitgestellt, steht (sozial gestützt) für jene die es brauchen auch kostenfrei zur Verfügung.

Ferien, die neue Verteilung der Schulzeit über das Jahr

Die Summe der Ferien wird für die Schüler_innen nicht reduziert, für Lehrer_innen und alle, die in Zukunft (bitte!) aus den verschiedensten Berufen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zusammen arbeiten (im multiprofessionellen Miteinander) wird eine Woche am Rande der Sommerferien für schulinterne Fortbildung, verpflichtend, verwendet!

  • 2 Wochen weniger im Sommer (für Lehrer_innen et al nur 1 Woche weniger Ferien)
  • davon 1 Woche als Herbstferien
  • die 5 Tage der zweiten Woche werden für folgende Tage fix verwendet: Mi-Fr nach Ostern und die beiden Fenstertage/Zwickeltage, nach Fronleichnam sowie Christihimmelfahrt
  • die schulautonomen Tage  werden Schüler_innen (ev auch Lehrer_innen?) der freien Disposition überantwortet, diese (in Verantwortung und auf Antrag der Eltern) können sie nach Rücksprache mit der Schulleitung freinehmen.Kleiner Zusatz: Die Tage jeweils nach den Notenkonferenzen (diese ist bitte etwa 2-3 Tage näher zum Zeugnis hin zu verlegen) und Schulschluss sind für alle mit verpflichtenden Modulen/Projekten zu füllen. Für die 7. – 9. Schulstufe z.B politische Bildung!, sonst z.B Soziales, Erste Hilfe, Exkursionen
    Naturwissenschaften, Kunst, oder anderes…

    Diese Neuordnung der Ferien ist ein Vorschlag für alle Pflichtschulen in Österreich, also alle Schüler_innen von der 1. Klasse Volkssschule weg. Für AHS/BHS in der Oberstufe fallen Praktika und Ferienjobs an. Deshalb schlage ich für diese den Wegfall von nur einer Woche im Sommer vor.

 

Ich stelle diese Idee (bereits vor Jahren entwickelt, auch öffentlich thematisiert) hiermit sehr gerne zur Diskussion. Die jahrelange Thematisierung der Sommerferien, regelmäßig auch medial am Ferienanfang im Fokus, möge endlich breit diskutiert – und dann neu beschlossen werden!

Ich wäre für die Verbreitung, und auch besonders für kritische und ergänzende Wortmeldungen, sehr dankbar!

Mein kurzer Brief – lieber Michi,…

…zuerst einmal danke, dass du verhandeln willst, und nicht, wie gerade zwei andere, trotzig wie ein kleiner Bub wegläufst.

Danke, dass du deine wertvolle Arbeitszeit für Bildung bereitstellst, und damit sicher gleich am ersten Ferienmontag in der Früh beginnst. Danke, denn wir alle wissen – es eilt!

Dir, euch gutes Gelingen!

Ich habe auch eine schnelle Checkliste für dich erstellt. „Die zehn Punkte für bessere Bildung“:
(Wir können die natürlich noch sehr gerne genauer besprechen)

 

  • Alle Kinder bekommen das Recht auf einen Kindergartenplatz. Ab ihrem 2. Lebensjahr.

 

  • die Qualitätsstandards in allen Kindergärten in Österreich werden vereinheitlicht, alle angehoben, ihre Einhaltung zugleich genauer kontrolliert.

 

  • KindergartenpädagogInnen (und alle anderen LehrerInnen) verdienen in Zukunft das gleiche wie jede in der AHS. Das gehen wir in Stufen an. Wir beginnen gleich, also noch 2015.

 

  • Jedes Kind bekommt maximale Unterstützung und die Zeit, die es braucht! Mindeststandards werden für jeden Bereich breit diskutiert und dann gemeinsam definiert. Jede und jeder muss diese erreichen. Ein Recht darauf hat man, auch wenn es 10, 11 Jahre dauert. Dies ergänzt das Minimum der 9 Jahre Schulpflicht.

 

  • alle Unterrichtsinhalte werden überarbeitet, vieles gekürzt, um neue Inhalte (zB Kreatives, Kommunikation, politische Bildung…) zu ermöglichen.

 

  • keine Lehrerin, kein Lehrer in diesem Land wird jemals mehr in einer Klasse alleine gelassen. Teamteaching und multiprofessionelles Miteinander wird überall ermöglicht.

 

  • alle Schulleitungen der Republik bekommen ausreichend administrative Unterstützung. Zugleich werden auf allen Ebenen administrative Aufgaben auf ihren Sinn durchforstet, viele wohl ersatzlos gestrichen.

 

  • die 50′ Einheit, Ausdruck reiner organisatorischer(!) „Notwendigkeit“, wird abgeschafft. Jede Schule gestaltet ihre Organisation des Unterrichtes selbst. Die Vorgabe durch den Bund wird im Vergleich zu jetzt „gedreht“: Schule, von 9h -15h verpflichtend als „Regelschule“. Halbtagsschulen in zumutbarer Entfernung für alle erreichbar. Und JA, Schluss mit jeder unsinnigen Trennung mit 10 Jahren!

 

  • der „klassische Schulbau“ mit Kasernenstruktur, dafür ohne wirkliche Arbeitsplätze, wird streng verboten. Pädagogische Räume, licht- und luftdurchflutet, werden stattdessen zu angenehmen, leisen Wohlfühlräumen.

 

  • zuletzt, Michael: dazu, und nur genau dazu, muss auch die Verwaltung, die Zuständigkeit, besprochen werden. Ziel: Schulen werden in ihrem pädagogischen Tun, der Organisation und den Finanzen wesentlich autonomer. Der Bund gibt dazu einen einheitlichen Rahmen vor und kontrolliert genau dessen Einhaltung.

 

Geschätzter Herr Bürgermeister, lieber Michi,

Schönes Wochenende!

Dein
Daniel Landau, Kandidat zum grünen Bildungssprecher für Wien
PS: bin auch noch am Wochenende gut für Rückfragen erreichbar!

Schulschluss – ein (sehr) persönlicher Brief

Tage nach der letzten Station meiner Bildungstour durch die Wiener Parks vor dem Sommer habe ich gestern Hannah kennen gelernt. Sie lebt mit ihrer Mutter, Alleinerzieherin, in Wien. Sie geht in die dritte Klasse einer Volksschule, mitten in Favoriten. Wir haben sofort, und fast die ganze Zeit, über die Schule gesprochen. Das passiert mir in den letzten Jahren ziemlich häufig, sobald die Kinder und ihre Eltern hören, dass ich selber Lehrer wäre…

Ihre Augen strahlten, als sie mir von ihren Projekten der letzten Wochen erzählte.  Auf meine Frage, ob ihr denn Schule immer so viel Spaß mache, fing sie an, mir zu berichten:

Sie dürfe in der Schule Fragen stellen, die freundlich beantwortet werden. Alle, nicht immer gleich und sofort, aber dann mit einem Versprechen, es später zu erklären. Und dieses Versprechen hält die Lehrerin. Immer.

Sie stehe auf, wenn sie das Bedürfnis nach Bewegung hat. Sie bekomme positive, verstärkende Rückmeldungen wenn sie erfolgreich ist. Aber auch Fehler machen, scheitern ist möglich. Denn aus diesen könne sie viel lernen.

Hannah sagt, sie wird die Zeit in der Schule vermissen. Sie freue sich auf den Urlaub mit ihrer Mutter, das Highlight des Sommers wird aber wieder der erste Schultag im September sein.

 

Es ist erstaunlich, die vielen Hannahs auf der einen und die tausenden Kinder und Jugendlichen auf der anderen Seite. Jene, die Schule schon lange nicht mehr als sinn- und lustvollen Ort erleben. Sie haben ihre natürliche Neugier verlernt. Sie sind nur mehr auf „Durchtauchen“ aus. Mit ihren Eltern werden sie Partys schmeißen, wenn die Schule geschafft ist. Sie freuen sich über ihren Abschluss – aber noch mehr über die neu gewonnene Freiheit, darüber, nicht mehr diszipliniert zu werden. An den Beginn ihrer Schulzeit, als sie, wie Hannah, voll Neugier und Tatendrang in das Abenteuer Schule gegangen sind, können sich die meisten nicht mal mehr erinnern.

Gemessen in ihren Schulnoten sind viele dennoch erstaunlich erfolgreich. Viele hassen Chemie, Turnen, Mathematik, Latein, andere langweilt Musik, Zeichnen und Deutsch. Dennoch haben sie dort oft eine gute Note, denn sie haben gelernt „zu leisten“. Aber um welche Art von Leistung geht es hier? Sind sie in den Fächern, deren Inhalten, aufgegangen? Waren sie mit Herz und Seele dabei und haben so ihr Bestes gegeben oder haben sie gelernt, sich anzupassen? Fragen zu beantworten, die sie selber niemals gestellt hätten. Hat ihnen Lernen, um des Lernens willen noch Spaß gemacht? Sind sie noch neugierig, so wie es alle von ihnen am Anfang ihres Lebens waren? Sind sie noch aufnahmewillig, bereit, offen ins Leben zu gehen, jeden Tag aufs Neue lustvoll zu entdecken?

 

Ich wünsche mir etwas für jedes Kind, jede junge Frau, jeden jungen Mann, für alle jene, die heute in die verdiente Ferienzeit gehen.

Ich wünsche allen zuerst gute Erholung, ein Auftanken, einen reinen Genuss der freien Zeit. Jenen, die ein Praktikum, erste Berufserfahrungen, machen – ein gutes Gelingen.

Ich wünsche allen, die noch ein oder zwei Bereiche über den Sommer nachholen müssen ein erfolgreiches Tun!

Aber vor allem – wünsche ich euch , so empfinden zu können wie Hannah. Ich wünsche euch eine Schule, in die ihr gerne geht, die ihr in den Sommerferien vielleicht sogar vermisst. Schule soll euch Erfolge bescheren und Scheitern als Gewinn erleben lassen. Und Schule möge euch zeigen: Es gibt etwas, dass jede und jeder von euch wirklich gut kann!

…eine kurze Anmerkung für Mütter, Väter, für die Eltern: die Schule kann gemeinsam mit euch die Kinder nur unterstützen, wenn auch ihr Freiraum gewährt, auch Fehler zulässt – und wenn auch ihr eure Kinder nach besten Kräften unterstützt, ihnen zu jeder Zeit feste, wertschätzende Stütze seid! So gesehen denke ich auch, es gibt keine „falsche“ Schule, keine wertvollere, geschweige denn eine weniger wertvolle. Was zählt, ist das gute, gemeinsame, Tun.

Für jeden Menschen. Für jedes Kind!

Schönen Sommer, Dein, Euer, Ihr Daniel Landau 🙂

#sagsLandau – ein Zwischenstand zur Sommerpause.

unser letzter Tag im Park in diesem Juni…

…diesmal im Odeonpark im 2. Bezirk. Wir kommen gleichzeitig mit einer Kasperlvorstellung der Parkbetreuung – besser geht’s nicht 😉

…wieder so viele, die unterstützen, Dimi, Uschi, Sabine, Gerhard, Robert, Fabian,… eine großartige Gruppe, der ich heute noch einmal Danke! sagen möchte.

 

Kurzprotokolle:

  • Frau mit Kind im KG beginnt ein Gespräch großartig(!): „Eine Frechheit, egal was wir in der Gesellschaft weiter bringen, es ist noch immer vor allem die Frau, die sich für die Kindererziehung optimieren muss“. Es wird ein wirklich gutes Gespräch über Kinder, Bildung, Kindergarten und Schule…
  • …eine andere Mutter mengt sich ein: „Überhaupt, Erziehung muss entlohnt werden, Unternehmen wären mehr in die Pflicht zu nehmen und ab einer gewissen Größe müsse dann jeder Betrieb einen Kindergarten anbieten.“ Wir sind uns da alle drei einig.
  • Ich werde um Ratschläge um eine private Volksschule in der Nähe ersucht. Die Mutter unterliegt einem Irrtum. Sie meint, dort gäbe es „andere“ Lehrer_innen. Dass auch diese (im Falle der konfessionellen Schulen jedenfalls) vom Stadtschulrat gestellt werden, überrascht sie. Mein Hinweis (gebe ich meist bei Fragen um die „richtige“ Schule): Nehmen sie bitte ihr Kind an der Hand und gehen sie gemeinsam in die Schule, nicht am Tag der offenen Tür. Sagen sie in der Direktion Bescheid. Und dann „spüren“ sie, wie es sich anfühlt. Ein Tipp, der bisher praktisch immer funktioniert hat.

 

Der Rückblick und zugleich ein Ausblick

Ich fühle mich unverändert wohl bei den Menschen, es fühlt sich irgendwie „richtig“ an. Es tut gut, ihnen zuzuhören. Man spürt, wie zentral wichtig in den Familien Kindergarten und Schule ist. Zugleich merkt man auch, dass die Anliegen zwar unterschiedlich sind, aber in ihrer Grundsorge natürlich sehr ähnlich. Es geht um das beste für das eigene Kind. Bei einigen spürt man auch – vor allem, wenn es ihnen selber besser geht, dann geht es oft auch um das Kindeswohl, um jedes(!) Kind.

Das ist ein Punkt der mich lange schon besonders beschäftigt. Wie kommen wir von der subjektiven Bedeutung für die Einzelnen dazu, das System möglichst für alle Beteiligten – jedenfalls aber zumindest für alle Kinder und jungen Menschen – zu verbessern? Was setzt Menschen in die Lage, auch solidarische Überlegungen in ihr Tun einzubeziehen? Wenn man so will: wie kommen wir hier vom „ich“ ins „du“ und weiter ins „wir“? Ein Punkt, der mich, hoffentlich alle in der Bildungspolitik, wohl noch länger beschäftigen wird.

Eines fiel mir in nahezu allen Parks auf. Ich wurde von Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, sozialem Umfeld, auch offenkundig verschiedensten Wahlverhalten, angesprochen. Besonders spannend fand und finde ich es dabei, wenn es Menschen waren und sind, die sich selber als der F nahe stehend deklarieren. Gerade Bildung scheint mir im Kontext ein wichtiges Thema. Schule, die nicht sozial durchlässiger wird, steht meines Erachtens gerade den Kindern vieler dieser Menschen im Wege. Dies heißt auch, dass das Festhalten an einer trennenden Schule, wie dies in Österreich beharrlich passiert, für gerade diese Eltern und ihre Kindern zum großen Nachteil gereicht. Interessanter weise sahen das sehr viele von ihnen wie ich. Einige der Mütter und Väter sagten: „wegen der Bildungspolitik wähle ich die F jedenfalls sicher nicht.“

Mir geht es im wahrsten Sinne um jedes Kind. Dafür stehe ich. Das heißt auch eine Bildungspolitik für alle, egal welcher sozialen Herkunft, unabhängig von den Ausprägungen der unterschiedlichsten Talente. Dennoch, Schule hat für mich immer auch etwas „kompensatorisches“. So gesehen verdienen gerade diese vielen, denen ich in den letzten Wochen begegnen durfte die besondere Aufmerksamkeit. Weil sie es oftmals eben nicht selber können. Ihr Kind zu unterstützen, es für ein besseres morgen erfolgreich vorzubereiten. Und weil sie Angst haben, dass es ihnen und ihren Kindern in Zukunft nicht mehr gut gehen könnte. Ja, gerade ihnen zuzuhören, für sie Angebote zu schaffen, das ist mir besonders wichtig! Ich denke und meine, muss uns allen besonders wichtig sein…

 

Abschließend: Ich freue mich natürlich auf einen schönen Sommer, wo es sicher auch ein paar gute Tage des völligen Nichtstun, der Erholung geben wird. Aber fast noch mehr freue ich mich jetzt schon auf viele weitere gute Gespräche im September, wenn wir wieder in Parks gehen und Kaffee ausschenken. Wenn ich bei #sagsLandau wieder zuhören darf 🙂

Jetzt schon – DANKE!

Bildung heißt auch: Hilfe zur Selbsthilfe

ein Update

gestern war ich mit Eva Glawischnig, Alev Korun, und einigen mehr in Erdberg, um Stifte, Papier, Bücher, Stadtpläne, Süßes… zu bringen.

Verteilaktion Flüchtlingsheim Erdberg
Verteilaktion Flüchtlingsheim Erdberg, Fotocredit Christian Bruna

Vieles wurde bereits in diesen wenigen Tagen bei uns im tachles gesammelt – vieles mehr wird es brauchen:

-> was wir deswegen weiter sammeln:

  • Stifte (Bleistifte, Kugelschreiber, Füllfedern), Buntstifte, Kreiden, Filzstifte, Malfarben,… dazu Spitzer, Radiergummi
  • Papier: Hefte, Collegeblöcke, Notizblöcke, Zeichenpapier…
  • Bücher und Lernmaterialien (vor allem Sprache deutsch/englisch), für Anfänger_innen geeignet, auch Bilderbücher,…
  • CD Player (voll funktionsfähig), CD/Geschichten in Deutsch/Englisch, deutsch/englisch Sprachlernprogramme?…

NEU: -> Monatskarten Juli (nicht personalisiert, also von vielen zu nutzen), Fahrkarten und Streifenkarten der Wiener Linien

-> !!! wir sammeln weiter im tachles, karmeliterplatz 1 in 1020, immer offen ab 16h (bis 01h)
-> bitte teilt das, auf den geeigneten Kanälen, sagt es gerne weiter!!!

…die nächsten Schritte sind uns, hoffentlich allen, auch klar: Es gibt jetzt bereits Deutschkurse in Erdberg, aber noch bei weitem nicht ausreichend. Es braucht viel Unterstützung, den Jugendlichen das geben zu können, um das sie uns von allen Anfang an ersuchten: Eine Chance auf Bildung, das heißt hier konkret Deutsch vom ersten Tag an. Da gibt es noch vieles zu tun!

Genauso wichtig ist dabei, den Menschen Möglichkeit zu einer zusätzlichen, qualitätsvollen, Zeitgestaltung zu bieten, um ihnen das Schlimmste (neben der Sorge, leider oft sogar der Angst) zu nehmen – die Untätigkeit!

Dazu gibt es bereits Menschen, Gruppen und weitere Ehrenamtliche, die heftig am Planen, am Vorbereiten sind (Danke!). Was auch hier zählt ist: das „schnelle Tun“!

 

Ich sage euch und ihnen allen, die ihr jetzt schon so viel beim Helfen unterstützt habt (insbesondere an der Stelle Sabine Beck und Niki Kunrath), ganz besonderen Dank! Ich werde die Augen der jungen Menschen, dieser unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen gestern, nicht so schnell vergessen.

Ich denke, wenn alle ehrlich und mit Empathie in die Augen dieser jungen Menschen schauten, würden viele „Ausländer Raus“ Rufe verstummen. Es sind die Augen, wenn sie leuchten, oder auch wenn sie leer sind, die uns miteinander verbinden können.

Und für mich persönlich sind es auch die Augen junger Menschen, die mich seit vielen Jahren für bessere Bildung für jedes Kind, für mehr Chancengerechtigkeit, kämpfen und einstehen lassen. Wie sie mit wunderbar blühendem Leben erfüllt sind, wenn etwas gelungen ist, wenn sie Wertschätzung erfahren.

Bildung für ein besseres morgen!

Erdberg in Wien, Flüchtlinge, Erstaufnahme, eine unklare Anzahl(!) von Menschen, alle älter als 15 Jahre…

 

Was wie eine nüchterne Aufzählung aussieht, bewegte mich in den letzten Tagen sehr. Hier haben es Menschen, Flüchtlinge, in unser Land geschafft. Aus welchen Gründen auch immer sind sie in Erdberg gelandet, in einem Haus, das aktuell als Erstaufnahmezentrum organisiert ist.

– ich will und werde jetzt an dieser Stelle nicht über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung schreiben.

– ich will und werde jetzt nicht über den „Empfang“ dieser Menschen durch eine politische Partei in Erdberg schreiben.

– ich will und werde also aktuell nicht darüber schreiben: über Unsinn oder Sinn von Erstaufnahme, Grundversorgung, dauerhaft, Asyl, Zeitdauer, Platzmangel, Zelte, finanzielle Zuwendungen des Staates, „Grenzen dicht“ Rufe…

 

Aber das hier will und werde ich hiermit ich klar schreiben:

Ihr lieben ALLE MENSCHEN da draußen, da sind junge Menschen zu uns gekommen, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, und die wollen eines sehnlichst – Bildung(!) für ein besseres morgen!

Ich frage mich, wer kann/muss hier jetzt was tun, wie kann Schule, Bildung für diese Menschen stattfinden, wie kann sie organisiert werden, wer müsste sie wohl finanzieren?

 

JA, sehr geehrter Herr Außenminister, lieber Integrationsminister, geschätzter Sebastian Kurz:

  • Ich frage mich tatsächlich, warum junge Menschen warten müssen, bis sie „anerkannt“ sind (oft, anders als berichtet, kann das Jahre dauern), bevor sie erste öffentliche Bildungsmaßnahmen „empfangen dürfen“?
  • Ich frage mich tatsächlich, wie jene, die mir und uns aktuell in Erdberg begegneten, dazu kommen, dass ihre Lebenszeit untätig und wartend verrinnt?
  • Ich frage mich tatsächlich, wie man die Bitte dieser jungen Menschen, oftmals unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, um Deutschkurse, um einem Anfang einer möglichen Zukunft, weiter ungehört lassen kann?
  • …und ich frage mich, wie Du, lieber Herr Integrationsminister, wie die ganze Bundesregierung, sich ein weiteres Vorgehen mit UMF (unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen) genauer vorstell(s)t?

 

Was ich mir für diese Menschen wünsche?, was ich mir denke, was man hier und jetzt(!) machen sollte?

Bildung bringt Optimismus und Perspektive. Sie ist somit mögliches Gegenmodell zur herrschenden Hoffnungslosigkeit und ihrer Begleiterin, der Angst!

!!! Stellt Mittel für Deutschkurse bereit. Diese jungen Menschen haben meines Erachtens nicht nur ein Recht auf Bildung, sondern unser Staat ist gut beraten, die Potentiale dieser Menschen, ihre Talente, ihre Stärken, Ihre Kraft, ihre Bereitschaft und  ihren Willen nicht länger verrotten, ja verrotten, zu lassen.

DANKE!

…was diese jungen Menschen inzwischen und rasch gerne hätten, meines Erachtens brauchen, darum wollen wir uns, will ich mich, gerne selber zu kümmern anfangen:

Denn ich weiß, es gibt Abertausende, die wollen etwas tun. Die spüren wie ich, es gibt schlicht mehr gutes als böses da draußen, in diesem Österreich.

Es braucht ein positives, ein optimistisches Gegenmodell zur Angst. Es braucht, wenn das nicht zu abgenützt ist, auch hier ein „Yes, we can!“

-> Sabine Beck (Danke!) und ich fangen deswegen einfach ‚mal zum Sammeln an!

-> was wir sammeln wollen: Stifte (Bleistifte, Kugelschreiber, Füllfedern), Hefte, Papier – und Bücher, für Anfänger_innen geeignet, auch Lehrbücher (Deutsch als Zweitsprache), eventuell auch gerne in Englisch…
-> und wenn wer vielleicht (voll funktionsfähige) CD Player nicht mehr braucht?, vlt noch jemand mit CD/Geschichten in Deutsch/Englisch?, deutsche Sprachlernprogramme?…

-> !!! wir sammeln im tachles, karmeliterplatz 1 in 1020, immer offen ab 16h (bis 01h)
-> bitte teilt das, auf den geeigneten Kanälen, sagt es gerne weiter!!!

Leute, wir gehen das einfach an – zusammen. Und wir wollen auch etwas anderes nicht vergessen. Wir, Optimist_innen mit Perspektive die helfen wollen und können, sind die Mehrheit!

Bacherpark, der „besondere“ 5. Bezirk #sagsLandau, 4. Tag

Mittwoch, 17. Juni, kurz vor 14h45…

Der Bacherpark beeindruckt mich beim Hinkommen zu aller erst mit einer dermaßen genialen, großzügigen Variante eines „Kletter-/Hochgartens“, dass ich a) aus dem Staunen kaum herauskomme und b) auch rauf will (geht aber nicht, das Gerüst ist klar für kleinere dimensioniert) 🙂

Es ist wieder ziemlich kühl, soll aber trocken bleiben. Kaffeerad ist da – an der Stelle großen Dank an Cyclecraft und Fabian Brugger, der nicht nur immer freundlich Kaffe zubereitet (wie er sagt, waren es im Schnitt bisher jedes Mal über 100 Kaffee!), sondern auch sonst hilft und unterstützt, wo es geht. …Kreisel, Malkreiden und die Folder werden hingelegt…

…genau in diesem Moment erfahren wir, dass wir diesmal besonders prominente Unterstützung erhalten. Marry Vassilakou, Vizebürgermeisterin in Wien, dieser wunderbaren Stadt, setzt ein starkes Zeichen für Bildung – zuhören direkt am Ohr der Menschen, heute eben im 5. Bezirk, Margareten. (Hier findet man davon Fotos)

 

Dieser Park, diese Gegend, scheint irgendwas besonderes an sich zu haben (ja, gefällt mir auch sehr gut). In keinem Park bisher war dermaßen oft zu hören: „Hier, genau hier in Margareten, direkt um den Bacherpark, ist es einfach am besten!“

 

Die Kurzprotokolle

  • Ich rede ziemlich lange mit einer geborenen Serbin. Die Frau ist seit 1973 in Wien und lebt seit damals immer im 5. Bezirk, den sie liebt und „nie mehr verlassen will“. In all‘ den Jahren hat sie durchgehend gearbeitet, sich nie auf dem Erreichten ausgeruht. Sie hat zwei Töchter und von denen insgesamt 5 Enkelkinder, alle im Kindergarten oder in der Schule. Auch ihre Töchter samt den beiden Schwiegersöhnen leben im unmittelbaren Umfeld des Bacherparkes. Die Oma, ihre Töchter und die Enkeln haben in den Jahren eine Art „privates Unterstützungssystem“ aufgebaut. Alle Enkelkinder lernen gemeinsam mit Freund_innen, oft unterstützt von Menschen aus dem/im Umfeld. So konnten und können alle die Schule gute absolvieren. Einige das Gymnasium! Bewegend ist, wie dankbar diese Frau – man möchte fast sagen „dennoch“ – dabei dem Bildungssystem in Österreich ist.
    (Anmerkung: EINMAL will ich jemanden aus der F Auge in Auge mit dieser Frau sehen. Persönlich im Gespräch mit einem dieser vielen Menschen, die sie eigentlich abschieben wollen…)

 

  • Ein relativ (aus Sicht einer Ausbildung) älterer Mann (56) will noch einmal eine Ausbildung angehen. Leider gibt es diese offenbar nicht in Wien, nur in NÖ. In seinem momentanen Beruf hat er jedenfalls keine Chance. Es macht nachdenklich wenn er sagt: „…oder sollte ich vielleicht doch lieber im Altersheim vorstellig werden?“

 

  • Eine Ägypterin ist mit ihrer Tochter seit 2003 da. Sowohl das persönliche soziale Umfeld als auch ihr Bildungshintergrund der Mutter bedeuteten für sie: Meiner Tochter die beste Ausbildung ermöglichen. Blitzschnell lernte diese Deutsch (offenbar schon in der Schule recht erfolgreich, vorrangig aber – laut Mutter –  privat zusätzlich unterstützt). Letztes Jahr absolvierte sie in einer Privatschule die Matura mit Auszeichnung, danach begann sie ihr Architekturstudium. Parameter des Erfolges. (Anmerkung: jedenfalls wenn es den Eltern(!) möglich ist)

Wo drückt der Schuh bei Kindergarten und Schule? – #sagsLandau

Dienstag, 16. Juni 2015, Wasserpark in Floridsdorf…

Der Park ist zu aller erst auffallend schön, zugleich das Wetter leider viel schlechter als in der Vorwoche – werden wieder so viele kommen, wie bei den Parks zuvor, was wird die Menschen bewegen….?

JA, wieder sind es recht viele geworden, wieder gab es tolle, bewegende Gespräche, wieder ein gutes, „richtiges“ Gefühl, die Chance zu haben, direkt den Menschen aufmerksam zuhören zu können.

 

Die Kurzprotokolle:

  • Eine Familie mit Kind übersiedelt vom 20. in den 22. Bezirk. Das Kind besucht im 20. bereits einen Kindergarten. Es gibt erst ab September einen Platz („wahrscheinlich“!) im Kindergarten im 22., ein Einstieg davor ist leider nicht möglich (ein Thema, das mir bereits öfter begegnete).  Das heißt Pendeln für Mutter und/oder Vater. Jeden Morgen in den 20. Bezirk.
  • Eine türkische Oma redet mich an, ihre beiden Enkeln sind gerade für 2 Monate auf Besuch, sie leben in Las Vegas bei ihrer Tochter und dem (amerikanischen) Schwiegersohn. Beide Enkelkinder (Dinah, Mädchen mit 6 Jahren und Adam, Bub mit 4) sprechen nur Englisch. Während das Mädchen sehr gerne in die Schule ginge, würde der Bub den Kindergarten völlig verweigern, erzählt die Oma. Ob ich wohl helfen könne? (quasi als „Experte für eh alles?“;)).

Adam schimpft und schlägt gleichsam alle(s) so lange, bis die Pädagogin die Mutter anruft, damit diese ihn abhole. Dinah wirft den entscheidenden Satz ein: „He misses Ma“. Adam, freundlich lachender Lausbub, widerspricht nicht einmal lange. Sein Lächeln wird weniger breit. „Yes, I do“. Nach einigen Minuten gutem Gespräch zu dritt verspricht er mir in die Hand, es – zumindet für zuerst kürzere Zeit, dann länger – zu probieren. Er verstehe, dass das schwierig für seine Mutter sei, die ihn ja auch vermisse, aber eben auch Sachen zu erledigen hätte, wo sie ihn nicht betreuen könne.

Wirkt alles irgendwie fast zu leicht, deswegen vermute ich, das Versprechen hat er vielleicht eh schon gegeben, oder es wird zumindest immer wieder rasch erneuert werden müssen…? 😉

Ich muss alles Oma auf Deutsch rückübersetzen (wie kommunizieren die drei eigentlich miteinander?). Sie wirkt glücklich und zufrieden.

 

  • Eine Frau, Biologin, mit Baby am Arm. Sie hat eigentlich keine Frage aber eine gute Anregung. Am Spielplatz war gerade kurz zuvor ein Schmetterling und hatte sich auf ihre Hand gesetzt. Ein paar etwa 7jährige stellen eine für sie seltsame Frage „macht der nichts?“. Ihr Thema: Sollten Kinder nicht bitte früher/mehr zu Biologie/Umwelt lernen!? (Anmerkung: JA!)

 

  • Wir (wie schon die Woche zuvor gemeinsam mit Dimi – Danke!) setzen uns zu zwei jungen Frauen, beide etwa 16 Jahre, beide mit Kopftuch. Sie sitzen und basteln etwas – wie sie sagen für einen Freund in Amerika, das schicken sie ihm zum Geburtstag.

Wir kommen rasch zum Thema. Eine davon geht in die Handelsschule, ist mit allem ehrlich zufrieden (das freut!). Die andere erzählt: Sie war im Poly im Rahmen der Berufsorientierung auch bei einer Zahnärztin als Helferin schnuppern. Offenbar waren beide Seiten von einander sehr angetan. Jedenfalls wurde sie vom Fleck weg eingeladen, dort zu bleiben. Nach paar Monaten hatte sich alles drastisch verändert. Das Kopftuch (ist ihr wichtig!) wurde ihr radikal während der Arbeitszeit verboten, die Kolleg_innen hätten angefangen sie zu mobben. Sie hätte auch bei der Ärztin das Gefühl, diese behalte sie nur weil sie perfekt/akzentfrei Deutsch und Türkisch beherrsche. Eben ein Mehrwert. Aber menschlich fühlt sie sich keine Sekunde wertgeschätzt. Sie ist unsicher, denn vor allem der viele Kontakt mit den Menschen gefalle ihr, sie liebe diese freundlichen Gespräche mit den Patient_innen, spüre, sie kann helfen. Aber würde sie wirklich dort bleiben wollen oder können? Man merkt, sie ist eine ehrgeizige, starke, positive junge Frau. Wir beide versuchen sie zu ermuntern, ein offenes Gespräch mit der Zahnärztin zu führen (hat sie in all‘ den 10 Monaten noch nicht!), und schlimmstenfalls (zB via Ärztekammer, Helfer_innen werden gesucht!) zu wechseln.

  • Ein Bursch kommt mit seinem älteren Bruder vorbei. Beide sind in Österreich geboren, die Familie aber aus Serbien. Das Österreich deswegen auch ihre Heimat wäre ist ihnen auffallend wichtig. Sie erzählen es ohne Frage nach dem (mE etwas schrägem) „woher“? (das ich deswegen selten frage). Der jüngere besuche die Hotelfachschule Wassermanngasse. Das letzte Jahr hätte er etwas „verschlampt“, jetzt aber wolle er Gas geben. Aber eigentlich haben sie Fragen zu einer möglichen Selbstständigkeit (wobei der Bruder Fischer auf der Donauinsel! ist). Beide wollen gemeinsam mit anderen aus ihrer Familie und Freunden eine große Jacht im Mittelmeer als Touristenschiff betreiben. SIe haben schon für alle Aufgaben Menschen, aber wie würden wir diese Idee finden?

WIr kommen in größerer Runde dazu ins Gespräch, rasch sind wir uns einig. Es braucht Visionen, auch diese Art von Gründerwillen, unternehmerischem Tun.

Wir? – ja, wieder ist eine große, liebe Gruppe von Menschen im Park zusammengekommen, um gemeinsam zuzuhören. Auch dieses Mal sind es die vielen Unterstützenden, die diese Parktour zuletzt auch ermöglichen. Die Grünen Floridsdorf, vor allem auch ihrer Spitzenkadidatin Susanne Dietl, aber auch – einfach nur großartig! – Julia Sachs, extra zur Unterstützung aus dem 22. gekommen. Ein großes Danke an euch alle!

#sagsLandau – zuhören im Arne-Carlsson Park im 9. Bezirk

nach dem ersten Termin, der mir noch immer in guter Erinnerung ist…

…wie würde es werden, wieder viele Menschen, ähnliche Anliegen…?

wieder war das Wetter schön, als ich gestern den Park betrat – wieder ein guter Tag zum Zuhören! Der zweite Tag, diesmal gemeinsam mit Momo Kreutz, Kandidatin als Bezirksvorsteherin am Alsergrund. Der Park ist wesentlich kleiner als der Kongresspark letzte Woche, es gibt einen Spielplatz, paar Wiesen. Ja, auch auf diesen Wiesen spielen die Kinder (immer wieder fällt mir der Augarten ein, auf dessen Wiesen leider das allermeiste verboten ist), auch ein paar ältere Damen und Herren sitzen auf Decken. Wieder wirkt der Park angenehm entspannt.

Direkt neben dem Spielplatz, auf der Schmalseite des Parks, befinden sich gerade Container der „Schule im Park“, die dieses Schuljahr grundsaniert wird und so direkt in den Park übersiedelte. Gerade wie wir aufbauen wollen, kommen ein paar neugierige Kinder her, die offenbar dort gerade in der Hortbetreuung sind. Auf meine Frage zu ihnen, wie es denn in der Schule so geht, sagen sie zu aller erst: „Der Blick ins Grün auf beide Seiten ist super“. Ihr Lächeln dabei weitet sich zu einem freudigen Lachen, als sie ein paar der Kreisel (die haben wir wieder auf der Tour mit) bekommen. Die Kreisel sind – wie letzte Woche auch – nach ein paar Minuten weg. Die Kunde spricht sich unter den Kindern schnell herum… 🙂

Wieder helfen einige aus der Bezirksgruppe, wieder unterstützt Liesbeth alles schlicht genial, wieder ist auch Dimi da (DANKE euch allen!). Schnell wird das Transparent aufgebaut, das Kaffeerad positioniert, und los geht’s, Momo und ich machen uns auf, um mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen…

 

die Kurzprotokolle: (diesmal nicht alle ganz so kurz)

  • erstes Gespräch (ich habe mich zu einem älteren Herren auf eine Bank gesetzt). Nach ein paar Minuten kommen wir gut ins Plaudern. Zwei Enkelsöhne, einer 10 Jahre, der andere 12. Beide wurden schon in Österreich geboren (er selber kam vor vielen Jahren aus Kroatien). Er wohnt mit seiner Familie (auch den Enkeln) in Favoriten und ist jetzt nur in diesem Park im 9., weil der Ältere (Gymnasium) gerade „bei einem Professor ums Eck“ Deutsch Nachhilfe hat. Der Jüngere will auch ins Gymnasium. Lauter 1er, aber ein 3er in Deutsch. Er steht deswegen also vor einer Aufnahmeprüfung für das Gymnasium. Er, der Großvater, ist sehr besorgt. Er will auch für den Buben „das Beste“. Aber er finanziert schon die dringende Nachhilfe in Deutsch für den Älteren, einer mehr „geht nicht“. Man sieht ihm die Trauer, ich meine fast die Scham (die mich wiederum traurig macht), an. Wir stimmen bezüglich Wichtigkeit der Landessprache überein, auch und besonders im Hinblick auf spätere berufliche Aussichten seiner Enkelsöhne. Dennoch, wir diskutieren länger, warum Kroatisch (sprechen alle perfekt) nicht als Muttersprache bewertet werden kann, und Deutsch, sozusagen als Zweitsprache, damit etwas weniger entscheidendes Gewicht erhalten könnte?

Anmerkung: (wir diskutieren das nicht miteinander) für mich wieder einmal ein gutes Beispiel, warum die trennende Schule mit 10 Jahren letztlich ein „Trugschluss“ ist, wie ärgerlich das ist, wenn das eine(!) Defizit ein „NJET“ bedeutet!

 

  • drei Gespräche mit Frauen, zwei Mütter, eine Horterzieherin. Fast durchwegs zu große Gruppen im Hort, in dieser Nachmittagsbetreuung, von der Gemeinde finanziert. 25 Kinder, eine Erzieherin, bei schlechtem Wetter auf 35m²(!). Wir sehen es ident. Für jedes einzelne Kind, auch für den hohen eignen Anspruch dieser Erzieherin, eine mehr als unzureichende Betreuungs- und Raumsituation. Ausbildung, Gehalt, Arbeitsbedingungen werden besprochen. Stichwort: „was sind uns unsere Kinder dann eigentlich wert?“

 

  • Eine Mutter, zwei Töchter, eine 11 (andere schon aus der Schule?). „Die Ältere hat sich immer in der Schule leicht getan, Gott sei Dank, denn ich kann (und will?) nicht helfen.“ Die Jüngere verweigert in Mathematik offenbar völlig (Deutsch und Englisch sehr gut, sonstige Lernfächer Geografie, Geschichte – naja…). Die Lehrerin (NMS) wendet sich regelmäßig (ebenso verzweifelt?) an die Mutter. „Ständig kontaktiert sie mich, ich solle darauf achten, dass sie die Hausübungen macht (die sie aber offenbar – wie die Tochter – selber nicht versteht?), darauf achten, dass die Tochter besser aufpasst…“

Sie fragt mich um Rat, was tun? Ich versuche ihr, meine „Karottentheorie“ (sie wissen schon: Esel, Karotte…) zu erklären: Was will sie den später machen? Schauspielerin. Okay, also zwar nichts mit Mathematik, aber auch dieses Fach wird notwendig sein, damit sie ihren „Zugangsschein“ erhält. Vielleicht – wenn sie diesen Berufswunsch nur wirklich ernst genug hegt – hilft das als „Argument“, dass man deswegen auch „durch Mathe durch muss“? Die Mutter ist skeptisch, Strafe, Lob, auch diese Art von Versprechen hätte sie schon probiert.

Anmerkung: wie könnte es besser gelingen, dass Schule wirklich auch zu 100% dort und exklusiv, also ohne Unterstützung zu Hause, stattfinden kann? Mehr und mehr Eltern können nicht helfen, sich Nachhilfe auch nicht leisten. Selbst wenn es Eltern „könn(t)en“, aber (z.B. zeitlich) nicht wollen, mit den Kindern bis zum Abend Schule zu machen – wäre/ist das „verwerflich“? Wodurch könnte Frustration, völlige Verweigerung von Mathematik (diesem für mich wunderbaren! 🙂 Fach) vermieden werden? Lob bei jedem kleinsten Erfolg? Das hatte zumindest bei einigen meiner Schüler_innen funktioniert. Aber macht das Sinn?, funktioniert das also quasi auch „strukturell“?

 

  • Eine Mutter: sie lebt mit einem Mann zusammen, beide sind Alleinerzieher_in, sie sind kein(!) Paar. Die Frau hat zwei Kinder, eines im Kindergarten, eines in der Volksschule bzw. im Hort. Sie meldet für beide Befreiung vom Essensbeitrag an. Hort wird ohne Problem genehmigt. Kindergarten wird abgelehnt. Begründung: sie lebe ja eh mit einem Mann (Erklärung: er hat etwas mehr Mittel zur Verfügung) zusammen. Ihr Einwand, das wäre weder Freund noch „ihr“ Mann, wird schlicht „nicht geglaubt“. „Sie stehen beide im Mietvertrag(!), dies reicht für uns als Beweis(!), dass sie in Gemeinschaft leben.“ Ihre Nachfrage, „wie kann ich beweisen, dass das nicht stimmt?“, wird achselzuckend quittiert. Eine Mitarbeiterin vermutet(!): „Vielleicht mit einem Notar?“. Was das genauer heißen soll, wird nicht „gewusst“. Sie gibt (September 2014) auf. Für das Sommerhalbjahr probiert sie es erneut. Diesmal mit eidesstattlichen Erklärungen ihres Mitbewohners und von ihr. Abgelehnt. Auch für dieses Sommerhalbjahr ist der Zug somit abgefahren.

Wir haben uns darauf verständigt, sie soll mir eine etwaig erneute Ablehnung (im September 2015) senden. Sie hofft, „dass dann Grün mehr zu sagen hat.“ Das lasse ich mal so stehen 🙂

#sagsLandau – erster Tag, Kongresspark in Ottakring

Ich werde versuchen in den nächsten Wochen (genaue Termine der Tour siehe letzter Blogbeitrag) ein paar der Gedanken und der Anliegen der Menschen wiederzugeben. Ich werde dabei immer nur ein paar wenige der Gespräche veröffentlichen (im Kongresspark waren es wirklich 3h praktisch durchgehendes Zuhören). Dabei fühle ich mich verpflichtet, alles maximal zu anonymisieren, ersuche deswegen um Verständnis, dass vieles relativ im Ungefähren bleiben könnte. Ich werde diese Gespräche in Form von Kurzprotokollen (von mir selber gleich am Abend angefertigt) wiedergeben und sie auch nicht kommentieren, da ich denke, es nimmt ihnen die Kraft. Gar nicht so leicht als ehemaliger Lehrer 😉

Erster Tag von „Los, sag’s mir – #sagsLandau“

vorab etwas zum ganzen Nachmittag:

Ich fand die Stunden im Park überwältigend und wahnsinnig lehrreich, fast noch besser als erwartet. Ich denke in der Tat mehr und mehr, wir brauchen viele Gespräche mit den Menschen, müssen uns ihre Erwartungen, Anliegen und Sorgen anhören, wenn wir stärker legitimiert für unsere Politik sein wollen.

…die ganze Aktion ist ja natürlich keine „One Man Show“, wurde bereits großartig im Vorfeld unterstützt (Danke an die vielen Lieben bei den Grünen Wien!). Auch für das gute Miteinander, direkt im Park vor Ort, möchte ich mich bei vielen aus dem Bezirk (Ottakring) bedanken, bei zwei gerne namentlich: bei Joachim Kovacs und bei Dimitra Inci. Danke vielmals!

So, also wie war das nun am Dienstag, den 2. Juni im Kongresspark in Wien?

Ich war etwas zu früh (überpünktlich) dran und konnte deswegen eine Runde durch diesen grossartigen Park drehen. Kinder spielten auf den zwei Spielplätzen, liefen lachend über Wiesen. Gehörlose (merkte ich nicht, wurde mir dann aber erzählt), voller Freude mitten drunter. Jüngere, aber auch viele ältere Damen und Herren saßen im Gras, bei den Tischen, im friedlichen Zusammen das Leben genießend. Wunderbar schön – alles an unterschiedlichem Alter oder Umfeld, verschiedener Herkunft und Sprache gleichsam kein Thema. Einfach ein Miteinander, Inklusion die lebt!

 

Dann begannen (pünktlich ab 15h) die Gespräche. Zuerst gingen wir selber auf die Menschen zu, fragten sie ob sie zu Kindergarten oder Schule ein Anliegen hätten, binnen kürzester Zeit begannen Leute zu uns zu kommen, sicher auch angelockt durch den guten Kaffee 😉

paar Kurzprotokolle:

  • Eine Frau mit kleinem Kind, knapp 5 Monate alt:
    Sie möchte genau nach 1 Jahr zurück zu ihrer Arbeit. Fand auch nach längerem Suchen einen KG Platz (großer, privater Verein)
    -> aber(!) Einstieg immer nur im September möglich, sie bräuchte ab Februar 16 den Platz.
    Finanziell hätte sie die Möglichkeit, auch schon ab September 15 das Kindergartengeld zu zahlen, das geht aber nicht(!)/wird nicht erlaubt, weil „Anwesenheitspflicht“ im Kindergarten besteht.
  • Zwei Mütter – ebenfalls auf der Suche nach Kindergartenplätzen, eine Alleinerzieherin, eine verheiratet. Beide bekommen keinen Platz, weil jeweils nicht dauerhaft(!) beschäftigt.
  • Frau, Alleinerzieherin, 10J Sohn.
    Sohn besucht eine Volksschule, wo er einer von zwei Kindern ohne „Migrationshintergrund“ in der Klasse ist. Das fände er (und sie) „gar kein Thema“ , bzw. sagt sie „wunderbar“. Er hat sich sehr schnell an die verschiedenen Sprachen und Kulturen gewöhnt. Mittlerweile sprächen sowieso einige viel besser als er. (dürfte kein besonders guter Schüler sein, keine Details gefragt). „Wilde“(?) Volksschullehrerin, schreit, wertet ab, immer die gleichen 3 Buben müssen regelmäßig nachsitzen, 2-3 mal/Woche(!). Der Sohn ist sehr froh, dass er dort bald weg kann!
    Das alles ist aber eigentlich nicht(!) Thema, will der Lehrerin nix böses, die „geht eh bald in Pension“
    -> Thema: NMS, Mutter und Sohn haben sich 3, 4 verschiedene angesehen, für eine … entschieden. Mit Glück (ist überlaufen) noch Platz für eine der nächsten ersten Klassen bekommen. Anfang Mai: inoffizielles Kennenlernen der Eltern und der Kinder.
    Schock: die Direktorin „sortiert“ nach Nationen!
    a) Klasse „Mix – aus den verschiedensten Herkunftsländern“, b) Türken, c) Serben (dort ihr Sohn), d) Integration
    Überall sind 1, 2 autochthone Kinder „dazu gesteckt“ worden. Sohn (bei Serben) fühlt sich als völliger Außenseiter, „verweigert“ völlig, dort hin zugehen. Frau weint bitterlich… 🙁
    (Glaube, ich konnte mit ihr gemeinsam, zwei recht gute, mögliche Lösungswege skizzieren, beruhigte sich. Hat mich persönlich besonders bewegt…)
  • „Miki“, Musiker und grenzgenialer serbischer Papa zweier Töchter (5 u 12), seiner „Prinzessinnen“. Kennen zufällig beide einen recht bekannten serbischen Volksmusiker persönlich, „erleichtert“ Gesprächseinstieg enorm, war das erste Gespräch, ich hatte mich dazu einfach zu ihm gesetzt 😉
    Sehr zufrieden mit der Vorschule. 12jährige in NMS, lauter gute Noten, nur Mathe. Anmerkung: Er bringt beide Töchter jeden morgen mit dem Auto zur Schule, obwohl sie zu Fuß 3-4 Minuten weg wohnen. Das viele Grün in mir sagt laut (aber innerlich!) hmm…

 

Bleibt mir nur noch zu sagen: ich nehme an, niemand der Menschen, die mit mir sprachen, wird diesen Blog jemals lesen – aber dennoch, oder umso mehr – DANKE!