#sagsLandau – erster Tag, Kongresspark in Ottakring

Ich werde versuchen in den nächsten Wochen (genaue Termine der Tour siehe letzter Blogbeitrag) ein paar der Gedanken und der Anliegen der Menschen wiederzugeben. Ich werde dabei immer nur ein paar wenige der Gespräche veröffentlichen (im Kongresspark waren es wirklich 3h praktisch durchgehendes Zuhören). Dabei fühle ich mich verpflichtet, alles maximal zu anonymisieren, ersuche deswegen um Verständnis, dass vieles relativ im Ungefähren bleiben könnte. Ich werde diese Gespräche in Form von Kurzprotokollen (von mir selber gleich am Abend angefertigt) wiedergeben und sie auch nicht kommentieren, da ich denke, es nimmt ihnen die Kraft. Gar nicht so leicht als ehemaliger Lehrer 😉

Erster Tag von „Los, sag’s mir – #sagsLandau“

vorab etwas zum ganzen Nachmittag:

Ich fand die Stunden im Park überwältigend und wahnsinnig lehrreich, fast noch besser als erwartet. Ich denke in der Tat mehr und mehr, wir brauchen viele Gespräche mit den Menschen, müssen uns ihre Erwartungen, Anliegen und Sorgen anhören, wenn wir stärker legitimiert für unsere Politik sein wollen.

…die ganze Aktion ist ja natürlich keine „One Man Show“, wurde bereits großartig im Vorfeld unterstützt (Danke an die vielen Lieben bei den Grünen Wien!). Auch für das gute Miteinander, direkt im Park vor Ort, möchte ich mich bei vielen aus dem Bezirk (Ottakring) bedanken, bei zwei gerne namentlich: bei Joachim Kovacs und bei Dimitra Inci. Danke vielmals!

So, also wie war das nun am Dienstag, den 2. Juni im Kongresspark in Wien?

Ich war etwas zu früh (überpünktlich) dran und konnte deswegen eine Runde durch diesen grossartigen Park drehen. Kinder spielten auf den zwei Spielplätzen, liefen lachend über Wiesen. Gehörlose (merkte ich nicht, wurde mir dann aber erzählt), voller Freude mitten drunter. Jüngere, aber auch viele ältere Damen und Herren saßen im Gras, bei den Tischen, im friedlichen Zusammen das Leben genießend. Wunderbar schön – alles an unterschiedlichem Alter oder Umfeld, verschiedener Herkunft und Sprache gleichsam kein Thema. Einfach ein Miteinander, Inklusion die lebt!

 

Dann begannen (pünktlich ab 15h) die Gespräche. Zuerst gingen wir selber auf die Menschen zu, fragten sie ob sie zu Kindergarten oder Schule ein Anliegen hätten, binnen kürzester Zeit begannen Leute zu uns zu kommen, sicher auch angelockt durch den guten Kaffee 😉

paar Kurzprotokolle:

  • Eine Frau mit kleinem Kind, knapp 5 Monate alt:
    Sie möchte genau nach 1 Jahr zurück zu ihrer Arbeit. Fand auch nach längerem Suchen einen KG Platz (großer, privater Verein)
    -> aber(!) Einstieg immer nur im September möglich, sie bräuchte ab Februar 16 den Platz.
    Finanziell hätte sie die Möglichkeit, auch schon ab September 15 das Kindergartengeld zu zahlen, das geht aber nicht(!)/wird nicht erlaubt, weil „Anwesenheitspflicht“ im Kindergarten besteht.
  • Zwei Mütter – ebenfalls auf der Suche nach Kindergartenplätzen, eine Alleinerzieherin, eine verheiratet. Beide bekommen keinen Platz, weil jeweils nicht dauerhaft(!) beschäftigt.
  • Frau, Alleinerzieherin, 10J Sohn.
    Sohn besucht eine Volksschule, wo er einer von zwei Kindern ohne „Migrationshintergrund“ in der Klasse ist. Das fände er (und sie) „gar kein Thema“ , bzw. sagt sie „wunderbar“. Er hat sich sehr schnell an die verschiedenen Sprachen und Kulturen gewöhnt. Mittlerweile sprächen sowieso einige viel besser als er. (dürfte kein besonders guter Schüler sein, keine Details gefragt). „Wilde“(?) Volksschullehrerin, schreit, wertet ab, immer die gleichen 3 Buben müssen regelmäßig nachsitzen, 2-3 mal/Woche(!). Der Sohn ist sehr froh, dass er dort bald weg kann!
    Das alles ist aber eigentlich nicht(!) Thema, will der Lehrerin nix böses, die „geht eh bald in Pension“
    -> Thema: NMS, Mutter und Sohn haben sich 3, 4 verschiedene angesehen, für eine … entschieden. Mit Glück (ist überlaufen) noch Platz für eine der nächsten ersten Klassen bekommen. Anfang Mai: inoffizielles Kennenlernen der Eltern und der Kinder.
    Schock: die Direktorin „sortiert“ nach Nationen!
    a) Klasse „Mix – aus den verschiedensten Herkunftsländern“, b) Türken, c) Serben (dort ihr Sohn), d) Integration
    Überall sind 1, 2 autochthone Kinder „dazu gesteckt“ worden. Sohn (bei Serben) fühlt sich als völliger Außenseiter, „verweigert“ völlig, dort hin zugehen. Frau weint bitterlich… 🙁
    (Glaube, ich konnte mit ihr gemeinsam, zwei recht gute, mögliche Lösungswege skizzieren, beruhigte sich. Hat mich persönlich besonders bewegt…)
  • „Miki“, Musiker und grenzgenialer serbischer Papa zweier Töchter (5 u 12), seiner „Prinzessinnen“. Kennen zufällig beide einen recht bekannten serbischen Volksmusiker persönlich, „erleichtert“ Gesprächseinstieg enorm, war das erste Gespräch, ich hatte mich dazu einfach zu ihm gesetzt 😉
    Sehr zufrieden mit der Vorschule. 12jährige in NMS, lauter gute Noten, nur Mathe. Anmerkung: Er bringt beide Töchter jeden morgen mit dem Auto zur Schule, obwohl sie zu Fuß 3-4 Minuten weg wohnen. Das viele Grün in mir sagt laut (aber innerlich!) hmm…

 

Bleibt mir nur noch zu sagen: ich nehme an, niemand der Menschen, die mit mir sprachen, wird diesen Blog jemals lesen – aber dennoch, oder umso mehr – DANKE!

Los, sag’s mir – #sagsLandau

Jetzt redest Du! Daniel Landau hört zu.

Diese Woche startete meine „Jetzt redest Du – Daniel Landau hört zu“ -Tour durch die Wiener Parks. Dort möchte ich mit Eltern und Kindern über ihre Anliegen, Erfahrungen und Sorgen mit Kindergarten und Schule reden. Motto: Eine Bildungsreform kann auch mit einem Kaffee in einem Wiener Park beginnen.

Wer macht bis 10 am Abend mit seinen Kindern Mathematik-Hausübung? Wen befällt Panik, schon mit der Wahl des Kindergartens eventuell die falsche Entscheidung für die Zukunft eines Kindes getroffen zu haben? Wer gibt jährlich 119 Millionen Euro für Nachhilfe aus?

Eltern! Kinder und deren Eltern sind die wahren Bildungsexperten.

Zuerst die Fakten:

  • Mehr als 20 Prozent der 14-Jährigen können kaum oder schlecht sinnerfassend lesen.
  • Mehr als die Hälfte der Wiener Kinder, die in die Volksschule kommen, haben eine andere Erstsprache als Deutsch.
  • Und, wie gerade oben erwähnt, in Österreich geben Eltern jährlich 119 Millionen Euro für Nachhilfe aus.

Das aber, das weiß ich schon alles, was mich aber interessiert sind die kleinen und großen Alltagsprobleme der Kinder, ihrer Mütter, ihrer Väter. Das kleine Biologiegenie, das wegen einer Schwäche in Deutsch eben leider nicht in ein Gymnasium „darf“. Das kleine Mädchen, das vielleicht schon zum dritten Mal den Kindergarten wechselt. Oder Mütter, gerade auf Arbeitssuche, die noch nicht einmal einen Kindergartenplatz bekommen.

Was mich aber auch interessiert, ist Gelingendes, Inspirierendes. Die besonders engagierte Volksschullehrerin, die mit den Kindern gemeinsam auf die Schatzsuche ihrer Talente geht. Der Lehrer einer NMS, der regelmäßig einen Cellisten zu Gast hat, wo Kinder, die dieses Instrument noch nie sehen konnten, den Klang hören, beim selber Ausprobieren die Schwingungen spüren können.

Was mich im Park, nahe bei den und mit den Menschen, auch interessiert, sind ihre Gedanken zu zwei unserer zentralen Forderungen für die Wahl, für die nächsten fünf Jahre:

  • Eine Kindergartenplatz-Garantie ab dem 2. Lebensjahr für alle, die wollen. Egal, ob beide Eltern berufstätig sind, oder nicht.
  • Und: ein Schulverweis für den Proporz. Mehr von den Besten sollen Schulen leiten – nicht die politisch Gefügigsten.

 

…Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was ich zu hören bekomme – aber vielleicht kurz noch etwas vorab, das mir besonders wichtig ist:

Ich befinde mich gerade auf einer Art Weg vom Lehrer in die Politik. Ich will und werde etwas „mitnehmen“, etwas, was mir auch in den vergangenen 20 Jahren Schule immer besonders wichtig war:

Ich werde unverändert mehr MIT als nur über die Menschen sprechen. So sehe ich auch Politik. Diese heißt für mich zu aller erst, gut und wertschätzend zuzuhören! Erst das legitimiert uns für politisches Tun, für das anschließende Gestalten, für und mit den Betroffenen. Bei Bildung sind das zu aller erst die Kinder dieser Stadt. Jedes(!) Kind.

Mit den Eltern teile ich diesen obersten Maßstab – jedes Kind!

Mit den Müttern und Vätern und allen, denen es ein Anliegen ist, gilt es sich zu verbünden. Gemeinsam kann es gelingen, eine Wiener Bildungsrevolution von der Parkbank aus zu schaffen.

 

Nachtrag: der erste Tag (der 2. Juni im Kongresspark) ist nun schon vorbei. Blogeintrag folgt in Kürze – nur soviel schon, es hat mich bewegt…

…und hier treffen Sie, trefft ihr mich in den nächsten Wochen (die Termine im September gebe ich später bekannt):

freue mich sehr, jede und jeden zu sehen! 🙂

TERMINE:
Dienstag, 9.Juni:                9., ARNE-CARLSSON-PARK, 15-18 UHR
Dienstag, 16.Juni:             21., WASSERPARK, 15-18 UHR
Mittwoch, 17.Juni:           5., BACHERPARK, 15-18 UHR
Donnerstag, 25.Juni:       2., ODEONPARK, 15-18 UHR

Junge schreiben für Junge

„Wer weiß besser, was Jugendliche interessiert, als Jugendliche selbst?“, meint Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Er leitete damit seine Forderung vor zwei Wochen ein, Schülerzeitungen quer über ganz Österreich mit 100 bis 500 Euro pro Ausgabe und mit einem Maximalbeitrag pro Jahr von 1000 Euro zu fördern. Eine erweiterte Presseförderung im besten Sinne des Wortes.

Ich sage, ja! – er hat Recht. Und ich finde es richtig und wichtig, diese Anregung nicht einschlafen zu lassen.

Einschlafen, wie viele wichtige zu ändernde Dinge bei Bildung. Einschlafen, weil die verschiedensten Gruppen lieber Kleinkriege führen, als Lösungen anzubieten.

Ein aktuelles Beispiel gefällig? Heute früh wurde thematisiert, dass der Upload der „VWA“ (Vorwissenschaftlichen Arbeit, eine der drei Säulen der neuen Matura) technisch nicht möglich wäre. Ein Geheul brach los, als ob es etwa gar daran läge, dass wir unverändert etwa 10.000 Kinder „verlieren“, Jahr für Jahr!

Nicht, dass sich die Pannen nicht etwa häuften, dass es natürlich von besonderer Inkompetenz zeugt, wenn gegen Ende der Frist, diese Arbeiten im Netz hochzuladen, die erforderlichen technischen Mittel nicht bereitgestellt scheinen. Aber wirklich schwer zu lösen?

Die Lehrer_innen bestätigen, dass die Arbeiten fristgerecht fertiggestellt wurden. Der Upload möge erfolgen, sobald es geht. Problem erkannt, Problem gelöst, Denkaufwand: etwa drei morgendliche Sekunden. Natürlich dann aber nicht mehr geeignet, um politische Mitbewerber zu desavouieren – hängt halt auch davon ab, was will man?

Zurück zum Thema, das ich gerne eben NICHT einschlafen sehen möchte. Ein Thema, das – geschickt gemacht – tatsächlich zu einer Win-Win-Situation führen würde, ja sollte. Ein Thema, das tatsächlich realen Gewinn für jedes(!) Kind bringt.

„Wer eine Zeitung selber produziert, lernt nicht nur schreiben!“, meint Walser folgerichtig. Eine Zeitung bringt tatsächlich verschiedenste Facetten an „mehr“ für Schule, …und ja – ich habe dies auch schon in Volksschulen erlebt, wie Gespräche über zu schreibende Beiträge spannendste Diskussionen ergeben. Wie die Jüngsten auf einmal eifrig für und wider abwägen, Perspektivenwechsel und Empathie einfach stattfinden, ohne dass die 8/9jährigen diese Worte wohl jemals gehört hätten.

„Wenn sich die Jugendlichen selbst um die Finanzierung, etwa den Kosten für Druck oder Domain kümmern, etwa durch Verkauf von Inseraten, Spendenaktionen oder einem selbst organisierten Flohmarkt, lernen sie auch viel über wirtschaftliche Zusammenhänge“, ist der passende Hinweis auf den Diskurs über reale und praktische wirtschaftliche Ahnung.

„SchülerInnen, die Zeitung machen, sind hochengagiert und setzen sich kritisch mit ihrer Lebenswelt auseinander. So kommt politische Bildung und Medienkompetenz direkt bei den SchülerInnen an“, ist Walser abschließend überzeugt…

Ich erlaube mir, noch eine Coda zu dieser wohltuend konstruktiven Forderung dazu zu komponieren:

– Ich rege zusätzlich an, auch in Österreich breitflächig Gesprächswettbewerbe (vergleichbar den jetzt eher vereinzelten Debattierclubs) in Schulen zu gründen und diese (auch finanziell) von staatlicher Seite so zu ermöglichen, zu etablieren. Dass hier kein Missverständnis aufkommt, ich rede von real zusätzlichen Mitteln an dieser Stelle!

und

– All dies fordere ich selbstverständlich in den wichtigsten, sagen wir mal etwa 10, Sprachen. Und ja, „wichtig“ meint (neben Englisch als international verbreitete) nach Anzahl der Schüler_innen in den Schulen Österreichs. Und nein, das ist z.B. nicht Finnisch… 😉

Mögen unsere Sprachen, unser Denken nicht weiter verarmen – in Schrift und Wort!

Ich habe meine Tutorin lieb gehabt

…und dann sagt Paulina: „es mag vielleicht komisch klingen, aber ja, ich habe meine Tutorin lieb gehabt“

Letzten Montag im übervollen Musensaal gab es einen Alpbach Talk, eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem European Forum Alpbach und der Wiener Zeitung. Diesmal auch unter der Beteiligung der BildungsNGO jedesK!ND.

Ich hatte Margret Rasfeld einladen dürfen, ihre Schule ESBZ vorzustellen. Dabei war es uns ein Anliegen, ihre Motivation, ihre pädagogischen Grundsätze, ihren Werdegang genauso zu thematisieren, wie eben den real gelebten Schulalltag vor Ort.

Margret Rasfeld war nicht alleine gekommen, zwei ihrer SchülerInnen waren mit ihr von Berlin angereist. Extra einen Tag aus der Schule, um Zeugnis zu geben, wie es besser gehen kann.

Und wie sie das taten! Magret Rasfeld, die ich schon länger begleiten und kennen darf, hat ja schon alleine, für sich, eine ungeheure Strahlkraft, die immer wieder dazu einlädt, doch bitte mal näher hinzusehen, welche Möglichkeiten Schulleitungen haben könnten, oder besser vielleicht haben sollten. Welch‘ starke Hebelwirkung von inspirierten Leiterpersönlichkeiten ausgehen, welche unglaublichen Veränderungen bewirkt werden können, wartet auch in Österreich noch auf eine nähere Analyse. Nebenbei bemerkt, dürfen wir uns nicht länger der Frage verschließen, warum so wenige Menschen bereit sind, eine Schulleitung zu übernehmen, sondern sollten dringend diskutieren, wie diese Aufgabe in ihrem Profil, ihren Möglichkeiten jetzt denn real ausgestattet ist und was es brauchen würde, um Zeit und Raum für die wichtigste, die eigentliche „Führungsaufgabe“, zu gewinnen.

Zurück zu Ivy und Paulina, die zwei freundlichen, kritischen, durchaus selbstbewussten, jungen Frauen (15 Jahre alt), die da den ganzen Abend neben mir saßen. Mit strahlend leuchtenden Augen berichteten sie vor den etwa 400 Zuhörenden vom Schulalltag, wie es denn so wäre, wenn auf einmal Zusammenarbeit selbstverständlich wird. Was die Grundausrichtung, die Lernbüros, das Fach Verantwortung, das Fach Herausforderung denn real bedeute. Was es heißt, ihre Aufgaben, ihre mündlichen und schriftlichen Testate, in freier Zeiteinteilung abzulegen. „Führt denn das nicht dazu, dass ab und zu wer was nicht macht, einfach nicht machen will“? und „wie ist das dann mit dem Abschreiben, beziehungsweise, wäre das denn „gerecht“, wenn die Mitschülerin paar Tage später die gleichen Aufgaben erhält?“, werden sie gefragt.

„Die Frage stellt sich nur, wenn Noten reiner Selbstzweck werden, wir aber lernen Sinn bezogen, primär einfach für uns selbst“

„Ja klar, kommt vor, dass jemand ‚mal nicht will. Aber wir alle wissen, letztlich müssen wir genauso wie alle anderen alles lernen, denn auch wir werden am Ende zentral geprüft.“

Paulina ergänzt: „…unter anderem deswegen haben wir ja das Tutorensystem. Jede/r Tutor_in hat 13 Schüler_innen zu betreuen, dafür extra Zeit im Stundenplan vorgesehen. Da kann man richtig gut miteinander bereden, alles. Auch mal privates, Kummer und Sorgen.“

…und nach ihrem „das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber ich habe meine Tutorin lieb gehabt“ spürt man einen kurzen Moment, wie der Saal den Atem anhält.

Jede/r Zuhörer_in mag in diesem Bruchteil einer Sekunde andere Gedanken gehabt haben, ein Vater bringt es in der anschließenden Diskussion auf seinen Punkt: „Ich liebe solche Veranstaltungen, man lernt soviel Interessantes kennen. Und dann, beim Nachhause fahren zerreißt es mir dennoch oft das Herz. Ich habe einen Sohn der gerade in den Maturavorbereitungen ist und denke mir, was ihm alles entgeht.

Ich kann dem wenig hinzufügen – außer vielleicht noch zwei Berichte der Wiener Zeitung, einmal vorher und nachher.

…und ein riesiges Danke an das European Form Alpach und die Wiener Zeitung, die diese Veranstaltung ermöglichten. An Ivy und Paulina, die mit ihren Berichten diese „andere Haltung Schule“ unmittelbar erlebbar machten und an Margret Rasfeld, die mit ihrem Wirken wohl schon Abertausende Kinder aus deren natürlicher Anlage heraus glücklich, neugierig und wissbegierig beließ. Danke!

 

 

Jetzt Zeichen setzen!

heute 17 Uhr am Heldenplatz in Wien

Mein Vater gehörte zu denjenigen, die es „geschafft“ hatten. Noch 1939 konnten er und seine engste Familie nach Shanghai flüchten, letzter Ort, der noch relativ unkompliziert Menschen aufnahm.

Jahre später war er zurückgekommen und hatte seine katholische Frau, unsere Mutter, geheiratet. Beide hatten schlimme Jahre hinter sich gebracht. Manchmal schien es mir, sie konnten sich nur schwer in die Situation des anderen versetzen. Heute noch bin ich dankbar, dass sie dennoch niemals auch nur versuchten, so etwas wie ein gegenseitiges „Aufrechnen“ anzustellen!

Sie hatten uns, zwei Söhne, bekommen und traten – wohl bewusst – schon früh in einen Diskurs mit uns. Über Leid, über Unrecht, dass man nicht einfach wegschauen soll und kann. Bereits bei uns relativ jungen Kindern  wurde dieses Bewusstsein so geweckt und begleitet mich, wohl uns beide, seither durchs Leben.

Heute, 70 Jahre nach der Befreiung Auschwitz gilt unverändert, achtsam zu sein. Auf alle Mitmenschen, auf „Minderheiten“, Recht vor Unrecht zu schützen!

Und im heutigen Gedenken gilt es auch, Zeichen zu setzen.

„Jetzt Zeichen setzen!“ – heute, 17 Uhr am Heldenplatz in Wien. Veranstaltung

Strafen!?

also kurz und bündig geht leider ned 😉

…aus Gesprächen, persönlich und auf Social Media, höchst subjektiv subsummiert 😉

– Voves, Niessl eröffneten die Diskussion zu Integration auf einer Ebene, die meines Erachtens primär Hilflosigkeit offenbart. Abgrenzung oder Anbiederung gegen bzw zur FPÖ? Die Erkenntnis, man könne nicht mehr schweigen (hat „man“ das?). Und, wohl nicht zuletzt, nahende Wahlen – was tun?

Also gut, Handlungsbedarf gibt es wirklich. Menschen, alt und jung treffen aufeinander. Bei Schule kommt dazu, dass niemand auskann. Und das meine ich im guten, ja wichtigen wenn nicht notwendigen Sinne! Eine tolle, öffentliche Schule „um’s Eck“, wo alle(!) ihre Kinder gerne hingeben. Für mich bester Garant einer gelingenden, solidarischen, besseren Zukunft.

Gestern und heute ergab sich die medial, zum Beispiel hier oder der hier aufgebrachte Frage, wie handeln, wenn doch paar „Integrationsunwillige“ (Definition?) nicht auf Lehrerinnen (jetzt rein weiblich gemeint) hören wollten?

Vorab eine Stellungnahme der BildungsNGO jedesK!ND:

„Strafen und Sanktionen für vermeintlich „integrationsunwillige“ SchülerInnen sind der falsche Weg, Herr Integrationsminister Sebastian Kurz. Stattdessen sollten wir uns zwei Fragen stellen: Was braucht es, damit SchülerInnen sich angenommen fühlen und Freude an Leistung haben? Und welche Ressourcen benötigen LehrerInnen, um ihren Schützlingen bei der Entfaltung ihre Talente zu helfen?

Jedes Kind ist wichtig und Österreich braucht jedes Kind! Keines sollte für Populismus instrumentalisiert werden.“

Was aber tun? Nun, ich habe hier auch keine einfache Lösung anzubieten. Eigentlich sehe ich sogar solche „einfache Lösungen“ als meist grob verkürzend, das Feld nie ganz erfassend. (hier zum Beispiel vernachlässige ich manches: Ja, es gibt unerträgliche Macho-Väter, christlich, muslimisch, atheistisch, was weiß ich was. Ja, es gibt Helikopter Eltern, die im Wollen für ihr Kind ungewollt viel Schaden anrichten. Ja, es gibt Mütter, wo man aus der Haut fahren will, so wurscht scheinen ihnen die eigenen Kinder zu sein. Und Ja, es gibt Kinder, die machen es einem wirklich nicht leicht)

Was ich aber sehr wohl habe, ist eine Überzeugung und eine (sicher nicht umfassende) „empirische Expertise“:

  • Integration muss sich zuerst primär in unserer aller Köpfe und Herzen abspielen
  • Das Zusammenleben, auch nicht Integration oder Inklusion, kann niemals Aufgabe nur „einer Seite“ sein. „Wir“ Österreicher_innen sind in meiner erlebten Erfahrung oftmals tatsächlich nicht sehr bereit, sich auf neues, „fremdes“ einzulassen.
  • „Integrationsunwilligkeit“ (wer bitte fängt an, dieses für mich furchtbare Wort zu definieren?) bei Schule endet dort schlagartig, wo Lehrer_innen klare und bedingungslose Wertschätzung und Hingabe zu allen(!) Schüler_innen (und zu den Eltern!) formulieren und (vor)leben!
  • bei einer kurzfristig von mir durchgeführten (schmalen) Befragung vieler Kolleginnen (weibliche Pädagoginnen und Lehrerinnen) ergab sich, dass alle Eltern, insbesondere auch muslimische Väter, zumeist gar kein Respektproblem haben, wenn sie diese Hingabe und Wertschätzung erleben. Da „sticht“ das Interesse um das eigene Kind. Wie gesagt, dies ist ein kleiner Ausschnitt aus meinem Umfeld, primär Kolleginnen aus der Volksschule und der Neuen Mittelschule – vielleicht will hier jemand noch Erfahrungen einbringen?…

Ein letztes, was mir wichtig erscheint: Wertschätzung gegenüber jedem Kind müssen sich diese meines Erachtens keineswegs „erarbeiten“. Ich erachte diese in ihrer Bedingungslosigkeit viel mehr als Grundvorraussetzung, besonders auch für Lehrer_innen, für Elementarpädagog_inen.

Ich fürchte(?), da bin dann doch kurz und bündig, tendenziell wenig diskussionswillig, nahezu intolerant 😉

was mich bewegt

Bildung für jedes! Kind bewegt mich, ist Leidenschaft und Triebkraft meines Handelns.

Ich bin in Wien Währing aufgewachsen. Mein älterer Bruder Michael und ich, beide in den 60er Jahren geboren, sind Kinder von Eltern, die selber auf Grund ihrer persönlichen Geschichte und der wirtschaftlichen Bedingungen nicht studieren durften. Keineswegs wohlhabend, würde ich unser Umfeld als wohlbehütet beschreiben. Ein Luxus, keine Selbstverständlichkeit, wie ich heute weiß.

Unsere Mutter, katholisch, hatte unseren Vater, jüdisch, Anfang der 50er Jahre geheiratet. Papa war nach gelungener Flucht 1939 zuerst mit seiner Familie 8 Jahre in Shanghai gewesen, dann in Israel, wo er auch den Militärdienst absolvierte. Dann kam er zurück nach Wien, wo wirtschaftlich begründet jede weitere Ausbildung zuerst nicht möglich war.

Ich erzähle die Konfession dazu, weil ich im Rückblick glaube, dass unsere Eltern zwar nicht religiös waren, aber gläubig. Daraus leiteten, meinem Verständnis nach, beide etwas gemeinsames ab. Ein tiefes Gefühl für Unrecht, die Überzeugung, gegen dieses zu kämpfen und nicht wegzusehen, wenn ein solches empfunden wird. Ein Gefühl, dass sich stark auf meinen Bruder und mich übertrug.

Unseren Eltern war es auch besonders wichtig, uns „gute Bildung“ zu bieten. Trotz eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten unseren Wissensdrang, unsere Interessen als Ausbildung, auch bis hin zu jeweils absolvierten Studien, zu ermöglichen. Am Anfang völlig von ihnen finanziert, dann mehr auch aus eigener Kraft. (Bei mir vor allem später mit Taxifahren, eine großartige Kombination aus der Stadt die ich liebe mit den Menschen denen man dabei in den unterschiedlichsten Situationen begegnet.)

Ich hatte Freude am Lernen und Wissen, Spaß mit den Mitschüler_innen und den Lehrer_innen. Jemand der sich relativ leicht tat. Neugierig auf allen Gebieten.

Dies machte meine Entscheidung „was studieren“ nicht leicht. Ich begann mit Medizin, helfen wollen war wohl das Thema. Zugleich begann ich auch bereits damals meine Ausbildung zum Dirigenten. Musik fand schon zu Hause, viel selbst musiziert, statt und begleitet bis heute mein Leben. Medizin wurde nach knapp 2 Jahren ad acta gelegt und ich begann eine meiner anderen Alternativen, die ich von Anfang an überlegt hatte, Betriebswirtschaftslehre, zu studieren. Dieses Studium schloss ich nach zahlreichen beruflichen und anderen Unterbrechungen (vor allem Chorreisen als Dirigent und als Sänger) mit dem Magister ab.

Als Kind schon hatte ich überlegt, gerne Lehrer werden zu wollen. Menschen begleiten zu dürfen, ihnen Optimismus zu geben, ihnen die eigenen Erfolge und Möglichkeiten vor Augen zu führen, hatte mich fasziniert.

Es bedurfte offenbar den langen „Ausflug“ in die Welt der Wirtschaft, der Konkurrenz, mir diese Werte, dieses Wollen, wieder in Erinnerung zu rufen. Ich begann also bereits parallel, Lehramt für die Pflichtschule zu studieren. Musik und Mathematik auf der damaligen Pädak Wien (dies wird sicher noch den einen oder anderen extra Blogbeitrag wert sein). Diese Ausbildung schloss ich nach den vorgesehenen 3 Jahren ebenfalls ab.

Wir sind beim vielleicht einschneidendsten Erlebnis für meine Grundhaltung bei Bildung angekommen und zugleich beim Ende dieses, meines ersten „wirklichen“ Blogbeitrages.

Während der Ausbildung hatte ich mein Pflichtpraktikum in einer Hauptschule (jetzt Neue Mittelschule) im 21. Bezirk. Ein Bursche in einer der dritten Klasse hatte hohes Fieber. Meine (übrigens großartige) Betreuungslehrerin ersuchte mich, seine Mutter anzurufen und machte mich zugleich darauf aufmerksam, das Telefonat könnte unangenehm werden.

Am Telefon schimpfte sie mich zur Begrüßung, warum jemand aus der Schule stört. Ich erzählte ihr kurz, wie es dem Sohn ging, dass er Fieber über 40 Grad hätte und fragte sie, wann sie ihn holen kommen würde. Das war 1995 und dennoch weiß ich noch wie heute, es war kurz vor 9 Uhr, eigentlich hätte sie ihn ja wohl nicht einmal in die Schule schicken sollen.

Sie bedrohte mich. Sie würde ihn ganz sicher nicht abholen kommen, und wenn wir ihren Sohn jetzt selber nach Hause brächten (mein Vorschlag), dann würde sie uns anzeigen. Sie hätte noch bis 13 Uhr Kunden, die Schule dauert bis 13.40, vorher würde sie ihn nicht betreuen. Punkt.

Der Blick auf den leise weinenden Buben neben mir, schmächtig, hilflos und mit dabei so großen, fragenden Augen hat etwas mit mir getan.

Kinder haben Rechte. Eines davon ist das Recht auf Bildung. Ich wiederhole, es ist das Recht des Kindes, das heißt für mich auch, dass der Staat, verantwortlich für institutionalisierte Bildung, subsidiär Pflicht hat, Kindern mit schlechteren Ausgangsbedingungen besonders beizustehen. Ich leite dies im übrigen auch aus dem Gleichheitsgrundsatz ab, wenn er eben auch besagt, dass Ungleiches ungleich zu behandeln ist.

Vorher schon hatte ich das Gefühl, es ging also vor allem um Kinder ohne Lobby, um jene, deren Eltern es nicht besser konnten, vielleicht auch nicht besser wollten.

Dieses Gefühl wurde schlagartig zur Gewissheit, wurde zur Überzeugung. Ist es bis heute. Jedes Kind, das von unserer Schule ohne Perspektive gelassen wird oder das anderen gleich gemacht werden soll, egal ob reich oder arm, woher auch immer, mit welchen vielen Talenten auch immer ausgestattet, ist eines zuviel. Und schließlich – Kinder zu beschämen ist ein Verbrechen!

Ich will die starke grüne Stimme der Bildung sein!

Bildung darf nicht Frage der Herkunft, nicht Gnade, nicht beliebig sein. Bildung ist ein Recht für jedes! Kind.

Meine Kandidatur für Wien

…denn Bildung in Wien braucht eine gute, starke Stimme!

Einiges durfte und konnte ich bewegen, manches beitragen. Ungleich mehr ist zu tun!

Von frühester Kindheit habe ich gelernt, nicht wegzuschauen sondern zu handeln, wenn jemand Hilfe braucht, wenn es gegen Unrecht geht. Das lebe ich: Wertschätzend, höflich und konsequent.

Der Ist-Zustand hin zu Inklusion

Statt die Talente der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen, werden ihre Defizite dazu missbraucht, sie auszusondern. Jedes Kind mitnehmen heißt für mich, mit Kindern in ihrer Verschiedenartigkeit wertschätzend umzugehen, heißt gelingende Inklusion.

Inklusion bedeutet für uns Grüne auch, dass wir uns für jene öffnen müssen, die sich für den Weg einer Lehre entscheiden. Ihren Bildungsweg sehen wir selbstverständlich jetzt schon als besonders wertvoll, müssen es jedoch deutlicher bekennen. Ein Bekenntnis, das mit Zuhören beginnt und in reale Angebote mündet.

Meine politischen Ziele für Wien

  • Gelingende Bildung für jedes Kind ist wichtiger Grundbaustein für funktionierendes Zusammenleben, für eine gemeinsame, bessere Gesellschaft.
  • Kindergärten und Schulen stehen ganztägig und ganzjährig offen. Sie dienen allen Menschen als Bildungszentren im Grätzl, verbinden über Generationen, Religionen und Herkunft hinweg, ermöglichen ein voneinander Lernen.
  • Jedes Kind erhält unabhängig von Herkunft, sozialem Umfeld oder auch Beschäftigung der Eltern einen rechtlichen Anspruch auf einen hochwertigen Kindergartenplatz.
  • Es wird zur Bildungspflicht des Staates, dass jedes Kind gut begleitet lesen, schreiben und rechnen lernt.
  • Schulen lassen Schüler_innen konkrete soziale Aufgaben im Umfeld übernehmen. Ein eigenes Schulfach, „Verantwortung“ bedeutet auch, Schüler_innen spüren was es heißt, gebraucht zu werden.

Ich will und werde dem herrschenden Stillstand mein von optimistischen Visionen geleitetes Handeln entgegensetzen!